Der höchste Gipfel ist 3.404 Meter hoch. Es geht durch 3 Länder. 24 Gletscher kämpfen mit der Erderwärmung. Anfang und Ende am Meer. Dazwischen eine 430 Kilometer lange Bergkette. Wildcampen und biwakieren ist für eine Nacht erlaubt oder wird geduldet. Einsames Hochgebirge. Viele offene Schutzhütten vorhanden. Zig klare Bergseen. An- und Abreise ist mit dem Zug möglich.
Hört sich doch wunderbar an. Da möchte ich hin. Ein neues Gebirge erkunden, möglichst viele Tage über der Baumgrenze verbringen, in meinem Zelt neben blau leuchtenden Bergseen aufwachen.
Also geht es dieses Jahr in die Pyrenäen. 9 Wochen habe ich Zeit. Es gibt auf der spanischen Seite den GR11 und auf französischer Seite den GR10. Die beiden Fernwanderwege verlaufen jeweils am Rand der Bergkette. Ich möchte lieber mitten durch. Der HRP passt da perfekt zu mir. La Haute Randonnée Pyrénéenne. Oder auf Deutsch: Die hohe Pyrenäen-Wanderung. Ähnlich wie Norge på langs, ist der HRP kein markierter Wanderweg, dem man folgen kann. Sondern viel mehr die Idee, die Pyrenäen möglichst nah am Hauptkamm zu durchqueren. Von West nach Ost oder andersherum. Mit Start- und Endpunkt in Hendaye mit den Füßen im Atlantik und in Banyuls-sur-Mer mit einer Erfrischung im Mittelmeer.
Dieses Mal durchquere ich kein Land, sondern die Bergkette. Immer entlang der französisch-spanischen Grenze. Mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Durch Andorra komme ich auch. Aber nur einen Tag. Für mehr müsste ich im Kreis gehen. Wenn es nach den Volksgruppen ganz im Westen und ganz im Osten geht, durchquere ich nicht nur 3, sondern 5 eigene Länder. Nämlich zusätzlich das Baskenland und Katalonien.
Auch wenn es keinen eindeutigen Weg gibt, sind die Routen doch sehr ähnlich, die man auf verschiedenen Blogs findet. Es gibt keinen offiziellen deutschsprachigen Wanderführer. Man findet aber viele, sorgfältig zusammengetragene Informationen zur möglichen Route mit Alternativen und Gipfeln, zu Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten. Dabei haben mir vor allem diese 3 Quellen geholfen, alle auf Englisch:
- HRP Pocket Guide von Paul Atkinson
- HRP Guide von Peter Forrest, nach einer Spende für Erdbebenhilfe im Himalaya bekommt man die Infos per E-Mail, inklusive aktuellem Bericht zu Hütten, die dieses Jahr aufgrund von z.B. Bauarbeiten geschlossen sind
- The Pyrenean Haute Route von Tom Martens, ein Cicerone Wanderführer
Für einen Eindruck des Geländes habe ich mir Ausschnitte aus dem Vlog von Alex & Franzi angeschaut, die die Route 2022 gewandert sind. Da kommt so viel Vorfreude auf beim Schauen.
Für Offline Karten auf dem Handy nutze ich, wie immer, Locus Map. Dort habe ich mir verschiedene Routen und wichtige Punkte markiert. Dadurch, dass ich extrem viel gearbeitet habe in den letzten Monaten, ist die Planung dieses Mal etwas weniger genau. Nach langen Tagen im Büro am Rechner hatte ich häufig keine Lust den restlichen Abend dann auch noch vor dem Display zu sitzen. Aber ich denke, die wichtigsten Infos habe ich zusammen. Und der Rest wird sich ergeben.
Am Freitag habe ich den letzten Tag gearbeitet und als ich nachmittags Feierabend gemacht habe, musste ich die ganze Zeit vor mich hin grinsen. Ich habe mich plötzlich so frei gefühlt. 2 Monate Auszeit vom Alltag und für eine Weile alles hinter mir lassen. Ich glaube, in letzter Zeit hatte mich der Alltag und vor allem die viele Arbeit sehr fest im Griff. Es fühlte sich so an, als hätte ich plötzlich wieder so viel mehr Luft zum Atmen. Als ob ich vergessen hätte, was mir wichtig ist und wie ich eigentlich leben möchte. Aus den Augen verloren vor Stress. Es fühlt sich jetzt schon so an, als würde mich die Auszeit und die Zeit in den Bergen resetten. Einmal zurücksetzen und wieder in den Fokus rücken, was mich glücklich macht.
Heute Morgen, oder eher heute Nacht, stehe ich um 2:45 Uhr auf. Mit dem Zug geht es von Dortmund nach Köln, mit dem Eurostar weiter nach Paris und mit dem TGV nach Hendaye. Ich war gestern echt nervös wegen der Anreise heute. Ob mit den Zügen alles klappt, ob ich mich in Paris zurechtfinde, ob mein Wecker auch nicht plötzlich genau heute den Geist aufgibt, ob im Hotel jemand Englisch spricht. Ich weiß, dass alles klappen wird und sobald ich unterwegs bin, bin ich auch entspannter. Die Gedanken vorher sind trotzdem immer da.
Am meisten freue ich mich darauf, morgen Abend das erste Mal mein Zelt außerhalb der Zivilisation aufzubauen, keine Menschen mehr um mich herum, nur Natur. Auch wenn ich mich überhaupt nicht auskenne. Ich habe für die erste Nacht draußen eine Empfehlung gefunden, wo ich mein Zelt aufstellen kann. Das reicht mir, um mich wohl zu fühlen.
Ich war gespannt, ob es stimmt, dass nur die Deutsche Bahn so viele Verspätungen hat. Der Eurostar kam aber auch direkt 15 Minuten zu spät in Paris an. Vielleicht war es ja auch ein Einzelfall, wer weiß. In Paris kommt man am Gare du Nord an und muss zum 6 Kilometer entfernten Gare Montparnasse wechseln. Am besten mit der Métro. Die Linie M4 fährt alle 4 Minuten und die Fahrt dauert etwa 20 Minuten. Man sollte sich nur nicht an dieser Zeit orientieren, die auch Google Maps nennt. Beide Bahnhöfe sind riesig, wie große Flughäfen. Mit diesen langen Rollbändern, dass man schneller ist. Am Nord-Bahnhof habe ich 10 Minuten durch den Bahnhof bis zur Métro gebraucht und am Montparnasse-Bahnhof nochmal 15 Minuten. Es ist zumindest alles gut ausgeschildert.
Das Métro Ticket habe ich auf dem Weg, als ich im Zug saß, über die SNCF App gekauft. Das war auch gut so, damit ich genug Zeit hatte, eine Lösung zu finden bevor ich im Bahnhofs-Gedränge stehe. Meine VISA Karte der ING wurde nämlich mal wieder abgelehnt. Komischerweise immer bei ausländischen Empfängern. Das ist echt nervig. Zum Glück hatte ich noch etwas Zeit und habe die Bezahlung über Umwege hinbekommen. Hoffentlich funktioniert die Karte dann vor Ort, eine andere habe ich nicht mit. Das Ticket muss man auf dem Weg durch den Bahnhof ein paar Mal zeigen. Oder besser gesagt, das Handy auf den Automaten legen, damit der Durchgang sich öffnet. Das Handy muss dafür nicht mal an sein. Angeblich soll es auch funktionieren, wenn der Akku leer ist. Das ist alles schon sehr viel fortschrittlicher als bei uns. Oder vielleicht auch der Größe geschuldet.
Endlich in der riesigen Abfahrtshalle für die Fernverkehrszüge angekommen, sollte man wissen, dass in Frankreich das Gleis erst ab 20 Minuten vor Abfahrt auf der Anzeigetafel angezeigt wird. Das bedeutet, dass hunderte Leute da stehen und auf diese Tafel starren. Sobald das Gleis dann erscheint, setzt sich alles ganz plötzlich in Bewegung. Man sollte sich dann auch zügig zum Gleis begeben. Man muss nämlich erst durch die Ticketkontrolle, wo sich sofort lange Schlangen bilden und dann eventuell am ganzen Zug entlang laufen bis man zu seinem Platz kommt. Mir kamen die 5 Minuten bis zu Wagen 16 ewig vor. Eine Sitzplatzreservierung ist Pflicht im TGV. 2 Minuten vor Abfahrt kommt man nicht mehr auf das Gleis. Man muss also pünktlich sein, hier gibt es kein Tür aufhalten, wenn man spät dran ist. Außerdem lese ich zufällig, dass die Gepäckstücke ein gut sichtbares Namens-Etikett haben müssen, sonst droht ein Bußgeld. Also nutze ich die Wartezeit, um mir am Ticketschalter einen Anhänger zu besorgen und an meinem Rucksack zu befestigen.
Meine erste Frage auf Französisch, ob der Kerl Englisch spricht, wird zum Glück mit „ein bisschen“ beantwortet. Das wird wohl nicht so häufig vorkommen in nächster Zeit. Mit Englisch werde ich nicht weit kommen. Selbst bei jungen Leuten nicht, sagen die Erfahrungsberichte. Ich verstehe zwar ein bisschen was, aber sprechen ist schwer inzwischen. Auch wenn ich es 7 Jahre gelernt und eine mündliche Abi-Prüfung auf Französisch abgelegt habe, ist das zu lange her. Ich mag die Sprache und freue mich darauf, so vielleicht wieder ein bisschen reinzukommen.
Ich vertreibe mir die lange Zugfahrt mit Schreiben, Musik hören und beobachte immer wieder die Regentropfen an der Scheibe. Es zieht sich ein bisschen. Aber ich fahre nun innerhalb eines Tages mit dem Zug bis an die spanische Grenze, bis an die Atlantikküste. Schon cool, wie schnell das geht. Und es ist eine sehr entspannte Anreise. Für die erste Nacht habe ich mir ein Hotelzimmer direkt in Hendaye gebucht, damit ich erstmal ankommen kann und mich um nichts kümmern brauche. Auch wenn es sehr teuer ist in diesem Touri-Ort mit breitem Sandstrand direkt vor der Tür. Es gab nur ein Zimmer unter 150 €. In Irun, im spanischen Nachbarort bekommt man sehr viel günstigere Zimmer. Ich wollte mir zum Beginn den Luxus gönnen, morgen nicht erst noch 2 Stunden zu meinem Startpunkt laufen zu müssen. So kann ich direkt 10 Minuten vom Hotel entfernt loswandern.
Das Wetter soll die nächsten beiden Tage ziemlich verregnet sein bei 25 Grad. Das ist mir lieber als trockene Hitze und 35 Grad. So muss ich nicht ganz so viel Wasser schleppen.
Nach dem heftigen Schauer kurz bevor ich aussteige, ist es dann doch zur Begrüßung trocken. Willkommen in Hendaye. Das wäre geschafft. Ich bin angekommen und muss grinsen.

Der Himmel ist grau und passt gar nicht zu den Palmen und dem Meerblick auf dem Weg zum Hotel. Die Stadt ist laut, es ist viel Verkehr, das gefällt mir nicht. Ich freue mich so sehr auf das Loswandern morgen. Und die Stadt hinter mir zu lassen. Meine Beine und Füße sind bereit. Mein Kopf auch. Es kann losgehen.

Helga
Hallo Sophie! Ich wünsche Dir viel Spass auf deiner Reise und ich freue mich schon auf deine Berichte……und pass auf Dich auf. Lieben Gruss Helga
monika
hallo sophie, ich wünsch dir eine gute zeit und bin gespannt was du von deinen abenteuern zu berichten hast – alles gute monika
Thomas
Was für eine tolle Tour. Ich wünsche Dir wieder gutes Gelingen, ganz viele Momente, die die Seele streicheln und Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen.
Danke, dass Du uns wieder mitnimmst.
Tatjana
Hallo Sophie, ich wünsche Dir viele schöne Momente und freue mich auch auf Deine Berichte. Liebe Grüße Tatjana
Sven
Oh man. Die Vorfreude steigt ja richtig an. Bin selbst aufgeregt was du so erlebst. Komm gut an und genieß den Luxus mit dem Hotel.
Ich wünsche dir viele schöne Momente und eine gelungene Auszeit.
Inge&Hacky
grauer Himmel ist doch viiiiiieel besser als 30°C im Schatten! Alles Gute für die Wanderung!
Ma+Pa
Auf geht’s! Viel Spaß und guten Weg dir. Alles Liebe, Ma+Pa
Inge&Hacky
für uns war die Verständigung in Frankreich nie ein Problem. Solange man mit BonnSchuur oder so ähnlich Grüßt und freundlich fragt, ob jemand AlleMann oder Ingless kann, konnten immer alle Englisch oder manchmal sogar ein Bisschen Deutsch. Es durfte nur nicht so klingen, als könnte man fließend Französisch und wollte nur nicht!
Lena
Liebe Sophie,
ich bin ja nun zum ersten Mal dabei und schon sehr gespannt, was du alles berichten wirst.
Ich wünsche dir eine superschöne Zeit und ganz viele tolle Momente!
Liebe Grüße
Lena
Simone
Hey Sophie, wir wünschen dir viel Spaß und Erfolg auf deiner Tour. Wir waren ebenfalls auf dem HRP unterwegs, haben aber aufgrund der extremen Hitze kapituliert und abgebrochen. Hoffentlich hast du mehr Glück als wir. Die fehlenden Markierungen sind aber kein Thema. Der Weg ist (zumindest auf den 100km, die wir gegangen sind) leicht zu finden und alleine ist man ohnehin nicht unterwegs. Aber die Landschaft lohnt sich sehr. Wir sind gespannt, wie es bei dir wird. Wir wollen gerne nochmal zurück, aber nur in einer kühleren Jahreszeit.
Liebe Grüße
Simone & Stefan
Lisi
Viel Spaß endlich wieder Abenteuer zum Lesen, wenn neben mir alle eingeschlafen sind ☺️
Roman
Hey Sophie,
Super Aussicht. Wünsche dir viele coole Erinnerungen.
Grüße aus Rheine
Sabine Gerken
Hallo liebe Sophie, wir wünschen Dir eine superschöne Wanderung, mit Momenten der Entspannung, Entdeckung, Erholung und immer wieder Erlebnissen die Dir niemand nehmen kann. Genieße jeden Augenblick….. speicher ihn ab in Deinem Herzen und Deiner Erinnerung. Wir begleiten Dich in Gedanken und freuen uns jeden Tag auf Deine tollen Berichte und Fotos. Du erzählst so schön, dass wir oft meinen wir laufen an Deiner Seite.
Ganz liebe Grüße von Sabine und Reinhard