Das Ausruhen hat geholfen. Ich fühle mich wieder gut. Schon als ich heute Nacht aufwache, bin ich beruhigt, dass ich mich besser fühle. Gegen 1 Uhr schaue ich kurz aus dem Zelt. Der Himmel ist sternklar. Die vielen Sterne leuchten so hell hier draußen, wo es keine Lichtverschmutzung gibt. Das ist wunderschön.

Heute geht es nur hinab ins Tal. Für heute Abend sind Gewitter angesagt. Bisher hat es immer geklappt, dass ich zum Gewittter nicht gerade irgendwo auf dem Berg bin. Ich packe in Ruhe zusammen und gehe erst um Viertel vor 10 los. Pablo und Orietta sind beide schon weg und es kommen die ersten Wanderer von unten hier oben an.

Ich folge dem Pfad, der über die Wiese hinab führt. Ich habe richtig Hunger. Wahrscheinlich weil ich gestern Abend gar nichts mehr gegessen habe. Also gibt es beim Gehen einen Müsliriegel und Nüsse.

Das sieht toll aus. Da geht es runter.

Ansonsten ist der Weg unspektakulär. Ich komme an einer riesigen Schafherde mit zwei Schäfern vorbei. Steige in Kehren durch den Wald weiter hinab. Und treffe neue Tiere – verspielte Esel, die sich über den Boden rollen. Das sieht lustig aus. Ich bin nur zu spät mit meinem Foto.

Rechts von mir höre ich Wasser rauschen und kurz erhasche ich durch die Blätter einen Blick auf einen Wasserfall. Mehr sehe ich davon leider nicht. Kurz darauf komme ich auf eine große Hochebene, das Plateau de Sanchèse. Zwischen Kühen und Pferden finde ich eine Picknickbank im Schatten und mache eine kurze Pause. Der Fluss würde sich auch gut zum Baden eignen. Es ist wieder so warm heute.

Da komme ich her. Wenn man sich das von weitem anschaut, fragt man sich, wo da ein Weg sein soll.

Es geht ein Stück über die Schotterstraße und dann wieder auf einen Wiesenpfad. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass es nochmal hoch geht. Ich war nur auf bergab eingestellt. Langsam stapfe ich steil bergauf. Ich bin nass geschwitzt.

Häufig ist der Weg total matschig und sumpfig. Ich finde Steine und Äste, auf die ich treten kann. Einmal gehe ich einen großen Bogen und kämpfe mich durch die Böschung. Bevor ich im Sumpf versinke. Meine Schuhe und Beine sind braun verschmiert.

Der Pfad ist gut markiert, einmal verpasse ich aber einen Abzweig und gehe zu weit nach unten. Also den Berg wieder nach oben und besser Ausschau halten. Ich bin wahrscheinlich so froh, dass es wieder runter geht, dass ich einfach locker flockig weiter gelaufen bin.

Hier habe ich einen ersten Blick ins Tal und auf die umliegenden Berge.

Und nach noch ein paar Kurven am Straßenrand entlang, kommen die ersten Häuser von Lescun in Sicht. Ein kleines französisches Bergdorf. Mit so einer Aussicht lässt es sich bestimmt gut wohnen.

Ich mag die Steinhäuser und die kleinen Gassen.

Als ich zum Supermarkt komme, wundere ich mich, wie viele Menschen da plötzlich sind. Sie sitzen in den Bars und drumherum auf den Mauern und auf dem Gehweg. Es scheint ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen zu sein. Und ein wichtiger Versorgungspunkt für Weitwanderer. Der Supermarkt hat allerdings gerade Mittagspause. Auf der Terrasse daneben sehe ich Pablo, der sich eine Pizza bestellt hat. Oh ja, da habe ich auch Lust drauf. Als ich allerdings bestellen will, meint die Bedienung, dass die Küche jetzt zu hätte. Es ist gerade mal halb 2. Na gut, dann nehme ich eben ein Stück Blaubeerkuchen. Das ist auch gut.

Wir sitzen da und quatschen und warten, dass um halb 3 der Supermarkt wieder aufmacht. Ich brauche nicht unbedingt was, aber ich schaue trotzdem, ob ich was sehe, worauf ich gerade Lust habe. Es tut sich allerdings nichts. Auch um Viertel vor 3 hängt noch das Schild „Fermé“ in der Tür. Pablo hatte extra gefragt vorhin, wann sie wieder öffnen. Ich frage nun nochmal und es heißt, dass der Supermarkt heute nicht mehr auf hat. Aha, sehr komisch. Aber gut, weiter geht’s die letzten 15 Minuten bis zum Campingplatz Camping du Lauzart.

Es ist nicht mal 16 Uhr als ich mich angemeldet und mein Zelt aufgestellt habe. Es fühlt sich fast an wie ein Pausentag so ein kurzer Wandertag und dann noch so viel Zeit zu haben. Ich sitze draußen auf der Wiese und schreibe. Erst noch von gestern. Später gibt es Pizza – zum Glück, da habe ich seit heute Mittag Heißhunger drauf.

Das Gewitter kommt wie angekündigt und wieder schüttet es wie aus Eimern und hagelt dabei. Richtig dicke Hagelkörner, kurze Zeit später ist der Boden weiß. Gut, dass mein Zelt oben auf einem Hügel steht und nicht weiter unten auf der Wiese. Die Straße ist direkt ein kleiner Fluss. Alles richtig gemacht mit diesem kurzen Tal-Besuch. Zwischendurch quatsche ich mit Orietta. Es ist schön, wenn man für sich ist, jeder macht sein Ding, aber zwischendurch hat man jemanden zum Reden.

Als ich mich gerade hinlegen will, fängt es wieder an zu gewittern. Ich zähle – 21, 22, 23, 24, Donner. Das Gewitter ist nur einen Kilometer entfernt. Also ziehe ich meine Regenjacke an und stelle mich am Waschhaus unter bis es vorbei ist. Ich mag bei Gewittter nicht im Zelt liegen und schlafen kann ich dann eh nicht. Auch wenn ich richtig müde bin.

Jetzt liege ich wieder im Zelt. Es regnet, aber das stört mich nicht. Ich finde es sogar gemütlich bei Regen im Zelt zu liegen. Nur starken Wind und Gewittter mag ich nicht. Mal sehen, wie die Nacht wird, um 23 Uhr soll es nochmal gewittern.


11,8 km
3:10 h
283 hm
1.247 hm
1.863 m