Ich habe kaum geschlafen. Mir ist die ganze Nacht flau im Magen. Ich kann den Geruch der Bettdecke bzw. wahrscheinlich des Waschmittels nicht haben. Ich bin so müde als es Zeit für das Frühstück ist. Hunger habe ich überhaupt keinen. Vielleicht sollte ich hier bleiben, einen Pausentag machen und fragen, ob ich das Frühstück auf morgen früh verschieben kann. Aber ich möchte nicht noch eine Nacht hier sein. Ich möchte lieber wieder in meinem Zelt schlafen.
Ich stehe auf. Sofort wird mir richtig schlecht. Ich gehe ins Bad und stehe eine Weile da. Dann geht es wieder. Oh Mann. Ist das jetzt von irgendwelchem Wasser, was ich nicht gefiltert habe? Ansonsten habe ich gestern Abend nur die Pizza gegessen. Ich sitze noch eine Weile auf dem Bett und entschließe mich dann doch frühstücken zu gehen. Hauptsächlich weil es da bestimmt Wasser gibt, was keinen komischen Geschmack hat. Das Leitungswasser kann ich gerade nicht trinken, schon bei dem Gedanken daran wird mir wieder schlecht.
Auf dem Weg frage ich an der Rezeption, wann ich auschecken muss. 12 Uhr erst. Dann lege ich mich gleich einfach nochmal 2 Stunden hin und schaue danach weiter.
Orietta sitzt auch noch im Frühstücksraum. Ich schaue mich um und hole mir Wasser, Apfelsaft und ein bisschen Obst. Wassermelone, Ananas und Banane. Mehr will ich gar nicht essen. Lustig finde ich das Schälchen mit ganzen Knoblauchzehen auf dem Buffet. Direkt neben der Marmelade. Ich setze mich zu Orietta, ein paar Minuten hat sie noch. Sie fährt gleich mit dem Bus in den nächsten Ort zum Einkaufen. Es war sehr schön, dich kennenzulernen, Orietta. Ich bin gespannt, ob wir uns wiedersehen in ein paar Tagen.
Ich esse langsam mein Obst, das ist lecker. Und trinke noch mehr. Dann gehe ich wieder hoch in mein Zimmer, stelle den Wecker auf halb 12 und lege mich ins Bett. Ich schlafe ziemlich schnell ein.
Mir ist weiter etwas flau im Magen und ich fühle mich nicht ganz wohl. Zum ersten Bergsee ist es aber nicht so weit. Da möchte ich hin. Wenigstens ein paar wenige Kilometer. Dann wird es eben ein ganz kurzer Tag und ich stelle dort direkt mein Zelt auf. Der Wetterbericht verspricht nur Sonne und ein paar Wolken.
Ich packe meine Sachen und checke aus. Da ich nicht lange brauche zu dem See, kann ich ja auch noch ein bisschen im Schatten sitzen und schreiben. Ich setze mich an die Hauswand. Zum Schreiben habe ich doch keine Lust. Ich sitze einfach da und frage mich, ob es wirklich klug ist, weiterzugehen. Aber was bringt es mir hier zu sein. Ich kann mich genauso gut im Zelt später weiter ausruhen.

Also mache ich mich auf den Weg. Meinen Füßen geht es zumindest sehr viel besser. Sie haben sich über die lange Ruhepause gefreut. Ich fülle meine Flasche an einem Trinkwasser-Hahn auf. Dort schmeckt es meist etwas weniger schlecht als das Leitungswasser am Waschbecken. Dann geht es für die erste Stunde am Straßenrand entlang. Zum Glück ist hier nicht viel Verkehr.

Der Himmel ist strahlend blau und ich überlege, wie ich meine Ohren besser vor der Sonne schützen kann. Orietta hatte eine Kappe, die den oberen Rand der Ohren versteckt. Das passt bei mir nicht. Das kommt gleich als Kommentar auf meine Packliste als Verbesserung. Ich nehme stattdessen mein Langarmshirt, lege es mir über die Schultern und klemme die Ärmel unter meine Kappe. So sind die Ohren auch geschützt.

In Somport gibt es noch ein Refugio und eine Bar. Und am Ende der Straße einen riesigen Gebäudekomplex, das Europa Hotel. Davor wurde die Straße kürzlich neu geteert, das stinkt vielleicht. Dahinter kann ich die Straße dann endlich hinter mir lassen. Jetzt geht es über die Wiese nach oben.
Das erste Stück ist sehr steil. Gut, dass man beim Wandern nicht schnell gehen muss. Ich setze langsam einen Fuß vor den anderen. Kleine Schritte. Ich fühle mich etwas schlapp. Ich mache ständig Pause und setze mich auf einen Stein. Nach dem Aufstehen ist es dann besonders schlimm mit der Übelkeit.

Immer wieder kommen mir Leute entgegen. Vielleicht haben sie den Tag oben am See verbracht. Ich setze ein Lächeln auf und grüße alle. Es geht nur nach oben, jetzt aber nicht mehr so steil. Nochmal Pause. Ich trinke nur ganz kleine Schlucke und wenig auf einmal. Als ich weitergehe, wird mir so übel, dass ich ein bisschen vom Weg weg gehe und mich auf die Knie stütze. Ich muss würgen. Das ist so ein schreckliches Gefühl. Ein paar Schritte weiter muss ich mich dann wirklich übergeben. Tschüss, Frühstück. Ich kämpfe mit den Tränen.
Danach geht es mir besser. Wahrscheinlich braucht der Magen jetzt nicht mehr so viel Energie. Wobei das nicht lange anhält. Jetzt habe ich Kopfschmerzen und richtig fit fühle ich mich trotzdem nicht. Langsam gehe ich weiter. Am Ende noch ein paar enge Kehren hoch und dann kommt der See in Sicht. Eingebettet zwischen grüne Berge.
Ich gehe um den See herum und halte Ausschau nach einem guten Zeltplatz. Auf der anderen Seite werde ich fündig. Das ist gut, hier bin ich auch weiter vom Weg weg. Hier habe ich meine Ruhe. Ich finde einen großen Stein, der auf einer Seite so schräg ist, wie die Lehne eines Liegestuhls. Sehr bequem. Ich ziehe meine lange Hose und die Windjacke über, um mich vor der Sonne zu schützen und lege mich in meinen Wiesen-Stein-Liegestuhl. So döse ich die nächsten 2 Stunden vor mich hin.


Ich telefoniere lange mit meinen Eltern. Das tut gerade gut. Ich hatte mich schon gewundert, dass hier gar keine Tiere sind. Da kommen 4 Pferde, zwei Stuten und ihre Fohlen zum Trinken und Baden an den See. Und weiter oben am Hang grast eine Herde Schafe. Sie ziehen alle nach rechts den Hang entlang. Ich denke, dass sie auch zum See herunterkommen, aber nach einer ganzen Weile spaziert die ganze Herde wieder nach links und zurück hinter die Kuppe. Das sieht lustig aus.
Ich baue mein Zelt auf und schreibe noch ein bisschen. Jetzt meldet der Wetterbericht plötzlich Gewitter für morgen früh ab 6 Uhr. Na toll. Dann schlafe ich jetzt schnell, damit ich zur Not früh los kann morgen und nicht zum Gewittter hier direkt am See hocke. Und hoffentlich fühle ich mich morgen auch wieder besser. Ich habe mir vorhin einen Tee gekocht und das Wasser extra gefiltert vorher. Grünen Tee mit Ingwer und Zitrone habe ich dabei. Nach ein paar kleinen Schlucken hat mein Magen aber wieder rebelliert. Also habe ich auch gar nichts mehr gegessen.
Thomas
Ich drücke die Daumen, dass der Magen bald wieder Frieden gibt.
Sven
Oh nein. Du machst aber nun doch ein Streifen mit. Hoffentlich ist es nicht zu schlimm.