Ich liege lange im Schlafsack und schreibe den Bericht von gestern. Gehe duschen und beschließe, einen Pausentag zu machen. Mein Körper kann noch einen Tag Ruhe vertragen. Der muss ganz schön was mitmachen mit mir. Ich frage an der Rezeption nach und es ist kein Problem, noch eine Nacht zu bleiben. Das passt doch auch genau. Ich hatte einen Pausentag pro Woche eingeplant. 2 Pausentage habe ich bisher gemacht, also ist Tag 21 prädestiniert für den dritten Pausentag.

Als ich an meinem Zelt stehe, sehe ich unten auf der Straße 2 Leute. Ich überlege, ob es vielleicht Birthe und Ansgar sind. Sie wollten heute weitergehen und zum Wanderweg kommen sie hier vorbei. Als sie dann winken, gehe ich ihnen entgegen. Sie waren sich auch nicht sicher auf die Entfernung und wussten nur, dass ich ein grünes Zelt habe. Es ist schön, sie nochmal zu sehen. Sie fragen direkt, ob ich mitkomme. Aber ich möchte meinen Pausentag machen. Wir machen ein Foto zusammen und verabschieden uns erneut. Schön, euch kennengelernt zu haben.

Heute sehe ich auch die steilen Felswände um mich herum. Der Nebel ist verschwunden. Deswegen ist in Gavarnie also so viel los. Wegen dem Cirque de Gavarnie und dem höchsten Wasserfall Frankreichs, der da hinten die Felsen herunter donnert. 422 Meter fällt das Wasser in die Tiefe. Ich hatte die letzten Tage überlegt, ob ich hier noch einen Ausflug einschiebe zum Wasserfall und zur Brèche de Roland, einem imposanten Spalt im Fels. Aber das habe ich gestrichen. Vielleicht sollte ich schauen, dass ich ohne so viel Drumherum meinem Ziel ein bisschen näher komme.

Ich lasse mir mein rustikales Brot mit Avocado, Schafskäse, Tomaten und Oliven schmecken. Dazu gibt es Orangensaft. Wo immer ich die Möglichkeit habe, brauche ich irgendwas mit Geschmack. Nicht dieses blöde Pyrenäen-Wasser.

Als ich gestern Abend mit Mama telefoniert habe, hat sie erzählt, dass sie ein bisschen recherchiert hatte, als es mir so schlecht ging. Vielleicht war es eine Infektion mit E. coli Bakterien. Nicht nur das Trinken von verunreinigtem Wasser, sondern auch das Baden darin, kann die Bakterien übertragen. Und die Inkubationszeit beträgt 2 bis 10 Tage. Es gab also mehr als genug Gelegenheiten, wo es passiert sein kann.

Den Nachmittag über bin ich mit der Planung beschäftigt. Ich schaue mir die Route für die nächsten Tage an, entscheide mich für eine Variante und lese ein bisschen in den verschiedenen Wanderführern. Da ich die nächsten beiden Orte gerne überspringen möchte, um mir den langen Umweg durch das Tal zu sparen, nutze ich den Outdoor-Laden hier, um mich mit neuer Verpflegung einzudecken. Das wird die nächsten Wochen reichen.

Ich finde sogar Mousse au Chocolat, was man nur mit Wasser anrührt. Davon nehme ich auch was mit. Das hatte ich in Nordnorwegen schonmal, nur von einer anderen Marke. Das war super. Für schlechte Tage im Zelt oder wenn es einen besonders schönen Tag zu feiern gibt. Ich werde schon Gründe finden.

Meine Powerbanks habe ich an der Rezeption aufladen lassen, mein Rucksack ist wieder gepackt. Ich schreibe noch von heute und dann habe ich einen ganz freien Abend. Mein Zelt steht schon, es ist alles geschrieben. Wobei es auch schon wieder halb 8 ist. Ich werde es mir jetzt gemütlich machen und mein Hörspiel hören.