Die Nacht ist fast windstill. Ganz ruhig. Ich höre nur den Bach. Nicht mal Kuhglocken sind heute zu hören. Gestern Abend habe ich gar nichts mehr gegessen, ich wollte nur noch liegen und mich nicht mehr bewegen. Und das, wo ich doch aus dem Supermarkt in Parzán eine Tüte Chips mitgenommen habe. Dann gibt’s eben welche zum Frühstück. Beim Wandern ist alles erlaubt. Dabei schreibe ich von gestern. Dazu war ich auch abends zu müde.
Dann mal los. Es ist schon fast halb 10. Bis zum Pass hoch folge ich weiter der Schotterpiste. Die Sonne lacht mir direkt ins Gesicht. Kurz später verschwindet sie aber erstmal wieder hinter den Bergen. So ist es noch ganz schön frisch. Meine Beine sind richtig schwer. Vielleicht muss ich mich erst warmlaufen.

Mich überholt ein Bully mit Mountainbikes auf dem Anhänger. Die jungen Burschen darin winken mir. Einer der Jeeps von gestern kommt mir wieder entgegen. Nach einer halben Stunde kann ich dann ein paar Serpentinen über einen Abkürzungs-Pfad entgehen.

Zwischenziel ist die Hütte Refugio de Viadós. Da kann ich bestimmt was essen, die Hütte ist bewirtschaftet. Auf dem Wegweiser sind 3:40 Stunden Gehzeit angegeben. Dann sollte ich ja am frühen Nachmittag dort sein.

Vom Pass Paso de los Caballos führt mich ein Pfad über die Wiese langsam nach unten. Etwas auf und ab, aber immer Richtung Tal.

Es ist ein richtiger Sonntags-Spaziergang. Die Sonne scheint. Ganz entspannt laufe ich so vor mich hin, zwischendurch singend. Auf Klassenfahrt auf Wangerooge in der 7. Klasse hatte ein Lehrer seine Gitarre dabei und wir haben abends oft gesungen. „Lemon Tree“ und „Wind of Change“ sind hängen geblieben. Nur ganz textsicher bin ich nicht mehr. Aber wen stört das hier schon. Mein Wander-Klassiker „Country Roads“ darf natürlich auch nicht fehlen. Und zwischendurch das hier, wovon ich die letzten Tage ständig einen Ohrwurm habe. Ich weiß nicht, wie es heißt. Es fängt an mit „Der Globus quietscht und eiert, der Rost sitzt überall“.

Zwischendurch geht es zwischen Bäumen her, über einen Bach und dann über eine sumpfige Wiese. Irgendwann komme ich auf einen breiten Forstweg. Unter mir kann ich Motorengeräusche hören. Dann bin ich wahrscheinlich fast unten im Tal.

Ein Schild weist mich darauf hin, dass ich nun einen spanischen Nationalpark durchquere. Zelten über 2.000 Meter und zwischen Sonnenuntergang und 8 Uhr morgens ist erlaubt. In Frankreich darf man länger schlafen. Aber das ist doch super. An der Hütte darf man nicht zelten, also gehe ich danach noch 400 Meter weiter hoch, dann bin ich über 2.000 Meter.

Ich komme an einem kleinen Campingplatz vorbei. Auf dem Parkplatz stehen zig Autos. Dabei stand da vorhin doch ein „Durchfahrt verboten“ Schild. Ich entsorge meinen Müll in den großen Containern und fülle mein Wasser nach. Mit dem Pulver, heute mit Orangengeschmack, funktioniert das super. Ich trinke gleich viel mehr, wenn der muffige Geschmack überdeckt wird. 1 Tüte soll für 1 Liter Wasser reichen. Ich nehme aber nur ein kleines bisschen, damit es nicht so süß ist. Das reicht mir.
Jetzt geht es 150 Höhenmeter steil hinauf. Bis zur Hütte. Ich wundere mich, dass davor nur 2 Leute auf der Bank sitzen. Bei den ganzen Autos unten auf dem Parkplatz. Ich stelle meinen Rucksack ab und ziehe die Schuhe aus. Hinter mir durch das Fenster höre ich Töpfe klappern und es duftet gut. Im Gastraum sitzen 3 Leute und essen, vielleicht das Hütten-Team. Doch der Kerl am Tresen verkündet mir, dass die Küche heute geschlossen ist. Ich bekomme nichts zu essen. Na toll.
Nach dem Duft hier habe ich erst recht Hunger. Enttäuscht ziehe ich meine Schuhe wieder an, fülle mein Wasser auf und gehe weiter. Dann suche ich mir eben gleich einen Platz im Schatten, mache da Pause und koche mir eine Nudelsuppe.
Ich gehe einen breiten Pfad an alten Steinhäusern vorbei.

Ich hoffe, ich finde überhaupt einen schattigen Platz. Es geht die ganze Zeit am Hang entlang, einen schmalen Pfad durch die Wiese. Vereinzelt komme ich an Bäumen vorbei, aber ihr Schatten reicht nicht bis zum Weg und der Hang ist zu steil. Die Sonne gibt echt alles.
Ich halte die ganze Zeit die Augen offen nach einem Pausenplatz. Aber es gibt keinen Schatten. Egal, ich brauche trotzdem eine Pause. Ich habe Hunger und bin kaputt. Also setze ich mich einfach auf die Wiese, wo es etwas flacher ist. Mitten in die Sonne. Mit meiner Windjacke als Sonnenschutz. Ich esse meine Nudelsuppe und ein paar Cracker und entspanne meine Beine ein wenig. Die Sonne macht mich echt matschig. Ich möchte gar nicht mehr weitergehen.

Ich beobachte einen hellblauen Schmetterling. Der sieht schön aus. Dann mache ich heute mal Schmetterlings-Fotos, wenn er sich mir schon so präsentiert und nicht wegfliegt.


Gegenüber habe ich einen schönen Blick auf felsige Berge.

Ich überrede meine Beine und Füße wieder aufzustehen. Es ist ja nicht mehr so weit. 200 Höhenmeter, weiter am Hang entlang das Tal hinauf.

Irgendwann entdecke ich die kleine Hütte über mir auf einem Hügel. Es geht zum Schluss noch etwas steiler hinauf. Sehnsüchtig blicke ich immer wieder nach rechts in die Schlucht auf den Bach mit vielen kleinen Wasserfällen und schönen Badegumpen. Aber das ist zu steil, da hinunter zu klettern. Da würde ich wahrscheinlich nicht wieder hoch kommen.
Das letzte Stück gehe ich querfeldein die Wiese hinauf. Einen Pfad kann ich nicht sehen. Geschafft. Neben der Hütte stehen 2 Männer. Da bin ich wohl nicht alleine. Erstmal den Rucksack abstellen. Die beiden Portugiesen stellen sich vor. Sie schlafen auch hier.
Wir setzen uns vor die Hütte in die Sonne und quatschen ein bisschen. Der Blick von hier über das Tal ist echt gut. Micael erkundet die Umgebung und berichtet von einem Bach, den er hinter den nächsten Felsen gefunden hat. Dann kann ich ja doch noch ein Bad nehmen. Ich fühle mich ganz dreckig und klebrig. Also nehme ich meine Schlafsachen mit und mache mich auf den Weg. Das Wasser ist gar nicht so kalt wie ich dachte. Oder ich bin es inzwischen gewohnt. Das tut gut, ich fühle mich gleich besser. Schnell warm einpacken und dann zurück zur Hütte.

Da steht sie. Jetzt schon im Schatten. Ich habe überlegt, ob ich mein Zelt aufstelle, aber es ist echt windig.

Wir essen zusammen und säter kommt noch ein Franzose, der auch hierbleiben will. Dann wird es kuschelig. In die Hütte passen maximal 4 Leute. Die Portugiesen nehmen den Nebenraum, der Franzose und ich schlagen unser Lager im Eingang auf. So ist der komplette Boden belegt.

Da es heute Nacht nicht regnen soll, überlege ich aber nach draußen umzuziehen. Der Wind ist nicht mehr so stark. Und wenn doch was ist, kann ich einfach wieder reingehen. Also nehme ich meine Luftmatratze und meinen Schlafsack und lege mich direkt vor die Hütte auf den steinernen Sockel. Mal sehen, wie die Nacht unter freiem Himmel wird. Ich hoffe auf viele Sterne.
Ma
Mal sehen, ob ich das Lied noch zusammen kriege:
Der Globus quietscht und eiert, der Rost sitzt überall.
Bald ist er ausgeleiert, der alte Erdenball.
Doch wir, wir woll’n ihn schmieren, wer wäre nicht dafür,
und’s dann nochmal probieren, wir singen, zwei, drei, vier:
Wir haben immer, immer gute Laune, ja Junge [Mädel?] staune, ja Junge staune.
Wir lachen jeden, jeden Griesgram an, bis dass er wieder, wieder lachen kann
und singen wie ein wilder Wirbel, Wirbel, Wirbelwind, was wir für tolle, tolle Kerle [besser: Menschen] sind!
Viel Spaß beim Singen! Dir fallen bestimmt noch eigene Variationen ein 😉
Sven
Da war ich wohl nicht alleine mit der Recherche des Liedtextes. Deine Kreativität kennt ja mit Sicherheit keine Grenzen.
Bestimmt wird es noch ein zwei Hütten geben wo die Küche nicht geschlossen ist.