Um 7 Uhr schaue ich aus dem Zelt. Der Himmel ist klar, man sieht immer noch ein paar Sterne. Es wird langsam hell. Das Licht reicht aber noch nicht, dass ich die Steinmännchen erkennen kann. Also liege ich ein bisschen im Schlafsack und beobachte die Berge. Der graue Fels des Aneto und der anderen hohen Bergen daneben leuchtet viel heller als die anderen Berge. Ich wundere mich über die vielen kleinen Lichter auf dem vorderen Berg. Da fällt mir ein, dass das wahrscheinlich die Leute sind, die heute den Aneto besteigen. Ich hatte gelesen, dass man am besten eine Stunde vor Sonnenaufgang starten sollte für die besten Konditionen auf dem Eis.
Ich ziehe mich an, packe zusammen und gehe um 7:45 Uhr los. Die ersten Sonnenstrahlen tauchen die Bergspitzen in ein rotes Licht.

Es geht direkt nach oben. 1.000 Höhenmeter stehen an. Ich bin so froh, dass mir der Aufstieg inzwischen nichts mehr ausmacht. Als wäre mein Körper erst jetzt richtig angekommen. Erst die wundgescheuerten Füße, dann die Übelkeit, dann keine Lust auf Höhenmeter. Jetzt ist seit ein paar Tagen alles super. Es ist wunderschön und ich habe so eine Berg-Freude in mir.
Ich klettere kurz runter zum Bach, um Wasser mitzunehmen. Das wird wieder ein warmer Tag. Da fülle ich lieber etwas mehr ab.
Nach einer Weile gehe ich über ein kleines Plateau. Das sieht lustig aus, überall sind Gräben und tiefe Löcher im Boden. Es gibt hier auch noch mehr unterirdische Abflüsse der Gletscher. Irgendwo aus dem Fels sprudelt dann das Wasser. Bei dem Bach gerade auch.

Ich klettere ein paar Felsen hoch. Hier ist direkt volle Konzentration gefragt. Und es ist von Vorteil, groß zu sein. Auf einen hohen Felsen kriege ich so gerade mein Knie hinauf. So ziehe ich mich irgendwie nach oben. Wahrscheinlich ziemlich unelegant. Und schürfe mal wieder mein anderes Schienbein auf. Ich habe inzwischen zig Kratzer von den Felsen an meinen Beinen. Aber nichts schlimmes. Ich gehe ein paar Schritte in die falsche Richtung, sehe denn aber den Pfad über mir. Also wieder zurück und weiter nach oben.
Wenn es einen Schritt nach unten geht, merke ich, dass mir immer noch der lange Abstieg von gestern in den Beinen steckt. Und später folgt auch wieder ein langer Abstieg. Als ich gesehen habe, dass es noch mehr Höhenmeter sind als gestern, habe ich nicht weiter geschaut. Jetzt geht es erstmal nach oben. Auf die Zwillingsgipfel dahinten zu.

Nochmal über ein kleines Plateau mit sumpfiger Wiese. Mal ein paar andere Farben als nur grau mit grün dazwischen.

Vorhin auf der Ebene mit den Löchern hat mich ein Spanier mit leichtem Gepäck überholt. Ich sehe ihn jetzt weit über mir zwischen den Felsen. Das sieht toll aus. Ich freue mich auf den Weg. Ganz viele Felsbuckel.

Hinter dem See geht es den Steinmännchen nach und Stück für Stück weiter nach oben. Über einen langgezogenen Felsbuckel, ein paar Schritte nach unten und über den nächsten Buckel.

Ich klettere an einem See vorbei und durch eine Rinne. Ich gehe nochmal ein Stück in die falsche Richtung. Manchmal kann man nicht gut erkennen, ob man direkt am Steinmännchen vorbei muss oder ob es nur etwas erhöht steht, dass es gut sichtbar ist. Es scheint aber auch mehrere Wege zu geben. Ich komme ganz gut vorwärts auf meiner Route.
500 Höhenmeter habe ich geschafft, bevor es dann durch die Sonne weitergeht. Das klappt gut mit dem frühen Losgehen. Ohne die Sonne ist es sehr viel weniger anstrengend. Das ist ein Vorteil, wenn man, so wie ich, die Pyrenäen in West-Ost-Richtung durchquert. Man hat morgens an den Berghängen erst noch Schatten bis die Sonne hoch genug steht.

Ich liebe diese riesigen Felsplatten, die man einfach hochlaufen kann. Auch wenn sie teilweise steil sind, ist der Fels rau und griffig. Ansonsten findet man ein paar Kanten als Hilfe. Diese Landschaft erinnert mich so sehr an Norwegen und den weglosen Teil durch den Rago Nationalpark.

An einem größeren See geht es etwas ebener weiter. Aber trotzdem auf und ab über die Felsen. Auf meiner Karte ist eine Schutzhütte eingezeichnet, die finde ich aber nicht. Nur ein paar niedrige Steinmauern als Windschutz. Hier hätte ich eigentlich gestern zelten wollen. Ich bin aber froh, dass ich mir den Anstieg für heute früh aufgespart habe.
Jetzt kann ich auch den Pass und den Gipfel sehen. Das wird ein besonderer Gipfel. Und bei diesem perfekten Wetter kann nun auch nichts mehr dazwischen kommen. Zwischen mich und meinen 3.000er Gipfel. Das hatte ich vorher gar nicht gesehen, dass da noch ein hoher Gipfel ist, der so nah an meinem Weg liegt. Ich habe es erst vor ein paar Tagen auf der Karte entdeckt.
Die rechte Erhebung ist der Gipfel, wo ich nun drauf zusteuere. Links davon, in der Senke, befindet sich der Pass.

Es geht weiter die großen Felsplatten nach oben. Das ist jetzt schon mein absoluter Lieblings-Aufstieg. Ich komme wieder vom Weg ab. Es gibt anscheinend 2 Linien mit Steinmännchen. Ich folge erst der rechten und wechsele dann irgendwann zu den Steinmännchen weiter links. Die stimmen mehr mit der Route auf der Karte überein. So sollte ich fast am Gipfel rauskommen. Hier kann man ziemlich gut einfach einen Punkt oder ein weiter entferntes Steinmännchen anpeilen und querfeldein dorthin gehen. Das Gelände ist relativ gut zu überblicken und die Felsen stellen keine großen Hindernisse dar.
Es geht zwischendurch etwas steiler nach oben, über einen zusätzlichen Hügel, dann weiter über die Felsplatten. Je höher man kommt, desto zerklüfteter sind die Felsen. Inzwischen ist es echt warm und ich finde nirgendwo Schatten. Ich fülle meine Trinkflasche aus der Wasserblase nach, ansonsten mache ich keine Pause. Nur kurze Trinkpausen.
Nach 3 Stunden Aufstieg habe ich es fast geschafft. Nur noch die letzten 100 Höhenmeter. Es wird am Ende steiler und die Steinmännchen sind nicht mehr so gut zu sehen. Ich muss über ein paar riesige Felsblöcke mit großen Zwischenräumen. Davor habe ich ziemlich Respekt und meine Beine zittern etwas.

Von oben kommt mir der Spanier wieder entgegen. Gut, dann bin ich auf dem richtigen Weg. „Nur noch ein kleines Stück“, sagt er. Ich bahne mir einen Weg durch die durcheinandergewürfelten Felsen. Bald kann ich auch wieder einen Pfad erkennen und es geht über kleinere Felsen weiter. Über mir sehe ich noch mehr Leute. Und ein riesiges Steinmännchen mit Gipfel-Fahnen. Das scheint ein beliebter Gipfel zu sein. Ich gehe an den Leuten vorbei, noch ein paar Meter, dann schlage ich oben an. Ich grinse.
Das ist allerdings noch nicht der Gipfel. Auch wenn hier das Steinmännchen steht und die Leute sitzen. Das nehme ich schon genau. Ich klettere über den Grat etwas weiter bis zu einem kleinen, unscheinbaren Steinmännchen. Hier ist laut Karte der Gipfel. Jetzt kann ich einen dicken Haken an mein Ziel machen: Einen 3.000er Gipfel auf meinem HRP erklimmen. Hier hocke ich auf dem Tuc de Molières auf 3.010 Meter Höhe.

Selbst hier oben ist es absolut windstill. Das ist eher selten oben auf dem Gipfel. Auf einer großen Felsplatte stelle ich meinen Rucksack ab und stärke mich erstmal. Inzwischen schaffe ich die langen Aufstiege nicht mehr, ohne dass ich vorher etwas esse. Es muss nicht viel sein. Es klappt gut, wenn ich morgens direkt eine Honigwaffel und nach einer Stunde gehen nochmal ein paar Cracker esse. Mein Magen knurrt zwar zwischendurch, aber so schaffe ich es, ohne dass mir schlecht wird. Ich muss nur schauen, dass ich bald an Nachschub für Snacks komme. Aber manchmal kann man in den bewirtschafteten Hütten Kleinigkeiten zum Mitnehmen kaufen.
Der Ausblick von hier oben ist genial. In die Richtung, aus der ich gekommen bin, sieht man wieder den Aneto. Der höchste Gipfel der Pyrenäen ist nochmal 400 Höhenmeter höher. Das sieht gar nicht so aus von hier.

Rundherum sieht man einfach zig Berge. Soweit man schauen kann. Und hier sehe ich schon den ganzen Abstieg für gleich vor mir. An den Seen vorbei und weiter nach unten ins Tal, wo man ein paar Gebäude sieht. Dahinter geht es wieder nach oben.

Ich habe hier oben kurz Empfang, dann ist er wieder weg. Also gehe ich wieder zurück zum großen Steinmännchen, wo die anderen Leute sitzen. Dann gibt es hier auch noch ein Foto.

Es bringt ja nichts, es weiter hinauszuzögern. Der Abstieg steht an. Etwa 1.500 Höhenmeter nach unten. Aber eins nach dem anderen. Die erste Schwierigkeit ist, dass ich über den schmalen Grat etwas nach unten zum Pass muss. Die meisten Leute sind aus dieser Richtung hochgekommen. Leider steigen jetzt alle in die andere Richtung ab, wo ich hergekommen bin. Also habe ich niemanden vor mir, wo ich mich an der Route orientieren könnte. Es gibt nur wenige Steinmännchen und von oben sehe ich sie schlecht. Ich habe ein paar Startschwierigkeiten. Ich klettere langsam und vorsichtig über die Felsen. Links vom Grat. Irgendwie muss es doch hier heruntergehen.

Nach den ersten großen Felsen geht es etwas besser. Ich finde einen Pfad und klettere nach unten. Meine ganze Konzentration gilt dem Weg und meinen Tritten. Ich bin mir sehr bewusst, dass es in beide Richtungen steil nach unten geht.
Rechts ist eine Lücke im Fels und dahinter geht es senkrecht nach unten. Das kann nicht der Abstieg vom Pass sein. Also noch ein Stück weiter. Ich sehe einen Holzpfahl, vielleicht markiert der ja die Stelle. Da bin ich mir aber nicht so sicher. Echt jetzt? Ist das wieder so ein unmarkierter, schwieriger Abstieg? Okay, ganz ruhig. Erstmal in Ruhe umschauen. Ein paar Schritte weiter gibt es noch einen Durchgang. Aber das sieht auch zu steil aus. Also schaue ich mir den letzten Übergang genauer an. Es ist steil, die ersten Meter fast senkrecht. Aber es gibt viele Kanten im Felsen, die man als Tritte und zum Festhalten benutzen kann.
Ich atme nochmal tief durch. Die ersten beiden Schritte nach unten könnten gut klappen. Mehr kann ich von hier nicht sehen. Also muss ich die Schritte machen und dann weiterschauen. Darauf vertrauen, dass es darunter mehr Kanten gibt. Irgendwie muss ich es bis zu dem Geröllfeld da unten schaffen. Da sieht man einen Pfad.
Ich stelle mich an die Kante und mache seitwärts den ersten Schritt nach unten auf die Felskante. Jetzt langsam drehen. Halt. Andersherum, mit dem Gesicht zum Fels, damit ich nicht mit dem dicken Rucksack irgendwo hängenbleibe. Noch ein Schritt. So geht es ganz langsam und Schritt für Schritt nach unten. Es klappt ganz gut, es gibt wirklich genügend Kanten. Man darf nur nicht darüber nachdenken, dass man hier ungesichert auf schmalen Kanten am senkrechten Fels steht.
Erleichtert erreiche ich das Geröllfeld. Noch ein Blick zurück nach oben. Durchatmen. Das hat doch ganz gut geklappt.

Dann geht es weiter nach unten. Der Abstieg über das rutschige Geröll macht keinen Spaß. Mir geht das Sprichwort durch den Kopf, dass man einen Berg erst bezwungen hat, wenn man wieder unten ist. Das ist wohl wahr.

Die zackigen Felsen links von mir sehen gut aus.

Der Abstieg zieht und zieht und zieht sich. Über Geröll, Felsen, hohe Kanten. Langsam komme ich den Seen näher. Da mache ich Pause. Vielleicht koche ich mir als Aufmunterung etwas. Und gehe baden. Oh ja, eine Abkühlung klingt hervorragend. Es ist so warm.

Der erste See liegt zu weit unter dem Pfad. Das ist mir zu steil. Ähnlich ist es beim zweiten See. Ich schaue nochmal auf die Karte. Am dritten See führt der Weg direkt nebenher. Es gibt auch einen Weg oben herum, an einer Biwakschachtel vorbei. Da sehe ich ein paar Leute. Aber ich bleibe unten am Wasser.
2 Stunden Abstieg habe ich geschafft. Und schon 700 Höhenmeter. Aber das Gemeine ist, dass das nicht mal die Hälfte ist. Jetzt mache ich erstmal Pause. Da hier noch Leute sind, die in Unterwäsche baden gehen, mache ich das auch heute. Dann habe ich Baden und Wäsche waschen in einem und bei dem Wetter trocknet der Stoff bestimmt schnell, wenn ich weitergehe. Und kühlt mich vielleicht noch ein bisschen.
Das Wasser ist kalt, aber das tut so gut. Der Boden ist ganz sandig. Ich stehe eine Weile mit den Beinen im Wasser, dann überwinde ich mich, ganz unterzutauchen und schwimme ein bisschen. Herrlich. Zum Trocknen lege ich mich auf einen sonnenwarmen Felsen.

Na gut, dann geht es weiter. Es hilft ja nichts. Es wird nicht flacher, wenn ich warte. Ich ziehe mich wieder an und gehe um den See herum. Dahinter kann ich den Hang nach unten schauen und sehe das nächste Plateau. Eine Stufe weiter unten.

Mein Wunsch nach einem einfachen Pfad geht nicht in Erfüllung. Es geht immer wieder über steile Felsen und hohe Stufen nach unten. Ich komme an ein paar schönen Wasserfällen vorbei. Ein Pfad führt direkt neben dem Wasserfall nach unten. Ein Stück mit Drahtseil versichert. Ich halte mich fest und sehe nicht, dass die Drähte am Ende aufgeribbelt sind. Bis sie mir voll in den Handballen stechen. Aua. Meine Hände haben inzwischen auch einige Macken von den Felsen.
Irgendwann geht es durch lichten Wald weiter. Es ist trotzdem noch sehr felsig und zwischendurch quere ich kleine Blockfelder. Selbst die stimmen mich gerade nicht mehr fröhlich. Ich möchte nur, dass der Abstieg ein Ende nimmt. Beine, Knie und Füße schmerzen. Ob ich mir die Knie wohl kaputt mache damit oder trainiert das und stärkt sie? Eigentlich ist auch der nächste Pausentag fällig. Den sollte ich mal machen und mir eine Regenerations-Pause gönnen. Ist nur die Frage wo und wann. Das schaue ich später mal.
Ich komme an einem großen Wasserfall vorbei, der ist ziemlich gewaltig. Das Wasser tost direkt neben mir die Felsen hinab. Da steht noch ein Pärchen. Sie wollen wohl ein Foto machen, trauen sich aber nicht den Schritt über einen Spalt zu machen. Dahinter ist ein großer, flacher Felsen direkt im Wasser. Sie gehen zur Seite und lassen mich vorbei. Die Frau schaut mir zu, wie ich einfach rübergehe. Ich mache ein Foto und auf dem Rückweg setze ich meinen Fuß auf eine Kante und den anderen wieder auf den Waldboden. Nichts schwieriges, ich denke nicht mal über meine Tritte nach. Die Frau aber freut sich, sie brauchte wohl nur jemanden, der es ihr vormacht. Jetzt traut sie sich auch und strahlt. Schön, wenn ich helfen konnte. Ich zeige ihr einen Daumen nach oben.

Jetzt wird der Weg einfacher. Es geht noch ein bisschen durch den Wald, über die Wiese und später auf einem breiten Weg durch das Tal.

Es ist echt lustig, wenn man über die Wiese läuft und mit jedem Schritt, den man macht, springen zig Grashüpfer auf. Überall ploppt und hüpft es. Das hatte ich nun schon häufiger. Habe ich nur immer vergessen, zu schreiben. Inzwischen habe ich die verschiedensten Grashüpfer gesehen. Von außen sind sie alle braun oder dunkelgrau. Aber manche haben auf der Innenseite ganz bunte Flügel. Rot und blau habe ich gesehen. Wenn es denn Flügel sind. Manche scheinen wirklich nicht nur hoch hüpfen, sondern auch ein Stück fliegen zu können.
Ich komme zu einem Parkplatz und ein paar verlassenen Steinhäusern. Eine alte Schutzhütte. Die neue Hütte liegt etwa 20 Minuten unterhalb, direkt an der Straße. Ich kann mich allerdings nicht zu dem Umweg durchringen. Ich setze mich eine ganze Weile in den Schatten des letzten Hauses. Der Abstieg ist geschafft. Mein Magen knurrt, ich habe so einen Hunger. Etwas weiter ist eine Tränke, wo ich mein Wasser auffülle.
Etwas unterhalb ist eine große Tunneleinfahrt. Für die Autos führt hier ein langer Tunnel durch den Berg. Die vielen Messstationen und Einrichtungen am Tunneleingang brauchen doch bestimmt Netz. Also schalte ich den Flugmodus am Handy aus und tatsächlich habe ich hier guten Empfang. Ich sitze noch eine ganze Weile im Schatten und überlege, was ich mache. Ich möchte gerne mein Zelt aufstellen und dann erst essen. Vielleicht reicht der Empfang ja noch ein bisschen weiter den Berg hoch.
Ich folge dem Pfad über die Wiese nach oben und stoße auf den GR11, der von rechts unten kommt. Querfeldein gehe ich die Wiese weiter nach oben. Vielleicht finde ich ja zwischen den Felsen da oben einen Schlafplatz.
So richtig gut gefällt mir das nicht. Über mir ist ein Schotterweg, von unten höre ich die Autos. Hier traue ich mich erst bei Sonnenuntergang mein Zelt aufzustellen. Also setze ich mich, lege mein Solarpanel raus und schaue mir erstmal den weiteren Weg an. Bis ich plötzlich ganz viele Glocken höre und von oben eine ganze Herde Schafe auf mich zugerannt kommt. Eine riesige Herde. Da gehe ich lieber mal zur Seite. Ich nehme schnell meine Sachen und gehe ein Stück zurück, zu einem Baum. Da stelle ich mich auf den großen Felsblock. Vor den Schafen habe ich keine Angst, die machen einfach einen Bogen um mich herum, aber dahinter kommen bestimmt ein paar Hütehunde. Wieso sollten die Schafe sonst so rennen.

Es kommen immer mehr Schafe über die Kuppe. Das nimmt gar kein Ende. Es dauert ewig bis sie alle an mir vorbei sind. Unten im Tal sammeln sie sich. Und es kommt kein Schäfer und kein Hund hinter ihnen her. Also gehe ich irgendwann wieder zu der Stelle zurück, von wo ich geflüchtet bin, um meine Uhr zu starten. Sonst hat meine Aufzeichnung ja eine Lücke. Ich habe beschlossen, dass ich noch ein kleines bisschen weiter nach oben gehe. Da ist ein kleines Plateau direkt am Bach.
Ich schaue immer wieder auf mein Handy, ob der Empfang noch da ist. Es wäre schön, mal wieder zu telefonieren und mit jemandem zu sprechen. Das habe ich jetzt schon lange nicht mehr. Die wenigen Worte, die man mit den französischen und spanischen Wanderern in mal mehr, mal weniger gutem Englisch wechselt, zählen nicht.
Der Empfang bleibt da und ich finde nach ein bisschen suchen einen Zeltplatz unter ein paar Bäumen. Im Schatten und mit dem Bach und ein paar schönen Badegumpen vor der Haustür. Hier fühle ich mich wohler.
Mein Zelt passt so gerade zwischen die Felsen und Sträucher. Etwas schief, aber ich habe eine gerade Liegefläche. Eine Ecke spanne ich an einem Ast ab und in meiner Apside wächst jetzt ein Strauch. Hauptsache das Zelt steht und hält.

Jetzt wird gegessen. Länger kann ich nicht warten. Erstmal esse ich das fade Kartoffelpüree mit Gemüse. Dann ist das endlich weg. Jetzt habe ich nur noch leckere Gerichte. Dann gehe ich baden, wasche mich und ziehe mich um.

Und dann telefoniere ich mit meiner Familie. Meine Eltern, meine Schwester und ihr Mann, alle sind sie gerade da. Wie schön, ich freue mich. Danach gibt es den nächsten Gang. Hähnchen-Curry. Ich verziehe mich ins Zelt und beobachte den Himmel. Vom Sonnenuntergang sehe ich nichts. Es ist keine Wolke am Himmel, die sich verfärben könnte. Bald sind die ersten Sterne zu sehen. Ich schreibe ein bisschen, habe aber nicht viel Lust. Irgendwie ist es sehr ungewohnt und ein bisschen komisch, im Zelt zu liegen und Empfang zu haben. Also schalte ich gegen 21 Uhr den Flugmodus wieder an. Jetzt ist Schlafenszeit. Ich liege da und spüre, wie meine Füße schmerzend prickeln. Das Gefühl ist mir so vertraut inzwischen. Nicht nur von dieser Wanderung. Es ist nicht schlimm, meistens ist es morgens wieder ganz weg. Es zeigt einem ja auch, was man alles leistet und schafft.
Lisi
Schön, dass wir uns gehört haben!! ❤️
Ma
Glückwunsch zum 3000er – auf UND ab! Gruß+Kuss Ma
Sven
YEAH, der erste 3.000er. Glückwunsch. Wie gut, dass es ja „nur“ 1.000 Höhenmeter sind.
Bei der Aktion mit der Uhr musste ich mal wieder schmunzeln. So hat jeder seinen inneren Monk. 😀