Heute geht es nach unten. In den Ort, zum Supermarkt und auf den Campingplatz für einen Pausentag. Ich habe keinen Proviant mehr und ich bin gespannt, was ich im Supermarkt so finde für die nächsten Tage. Das Einkaufen wird ein eigenes Abenteuer. Das war schon komfortabel mit den getrockneten Fertiggerichten.

Gerade zum Sonnenaufgang klettere ich aus dem Zelt und laufe zu den Toiletten. Der Himmel sieht gut aus. Richtung Westen sieht es viel spannender aus als im Osten.

Links ist die Hütte und rechts stehen die ganzen Zelte. Die ersten Frühaufsteher haben abgebaut und sind schon wieder unterwegs.

Die Nacht war richtig mild und auch heute Morgen fällt es nicht so schwer den warmen Schlafsack zu öffnen. Mein Zelt-Nachbar, der Tscheche, fragt nochmal in welche Richtung ich gehe. Ich glaube, er hätte gerne etwas Gesellschaft. Aber er geht in die andere Richtung als ich. Um 8:40 Uhr bin ich startklar. Ich sage mir nochmal, dass es nicht einfach nur eben bergab geht, sondern dass ich trotzdem mindestens 4 Stunden unterwegs sein werde. Und ein bisschen aufwärts geht es zwischendurch auch noch.

Damit fängt es auch an. Von der Hütte klettere ich ein paar Felsen nach oben und umrunde den großen See. Obwohl einige Leute mit mir starten, bin ich alleine. Die meisten gehen in die andere Richtung. Die Anderen hänge ich schnell ab.

Über viele Felsen und hohe Stufen geht es oberhalb des Wassers entlang. Gut, dass ich mein Zelt letzte Nacht an der Hütte aufstellen konnte. Der ursprüngliche Plan war, zwischen den beiden Seen zu schlafen. Aber da sehe ich nun keine geeigneten Plätze. Hier sieht man auch schon, wo es hinter dem zweiten See weiter nach oben geht. Ich muss ja zumindest noch über den Pass, der mich von Andorra wieder nach Frankreich bringt.

Über Wiese und Felsen geht es hoch zum Collada de Juclar. Hier kann ich schon rüber nach Frankreich schauen, bleibe aber noch in Andorra und steige weiter auf zum Col de l’Albe. Insgesamt sind es nur 200 Höhenmeter.

Ich habe übrigens nachgeschaut. Die einzige Amtssprache in Andorra ist Katalanisch. Das, was ich gehört habe, klang dem Spanischen sehr ähnlich. Die Begrüßung und „Danke“ sind dieselben Wörter.

Noch ein Blick zurück. Tschüss, Andorra.

Und hallo Frankreich. Erkennt man ja sofort, dass ich nun das Land wechsele. Es sieht gleich ganz anders aus… Muss ich dazu schreiben, dass das Spaß ist?

Die ersten Kehren steige ich über feine Steine ab, dann folgt ein großes Geröllfeld.

Was nur eins von vielen ist, die nun folgen. Ich steige vorsichtig zum See ab. Klettere am Ufer entlang, dann gehe ich über die steinige Wiese zum nächsten See. Und balanciere wieder über ein Blockfeld. Dann wiederholen wir das ganze noch einmal.

Unterwegs überhole ich Feli und Markus, die auf einem Felsen Frühstückspause machen. Ein paar Leute kommen mir auch entgegen.

So richtig bergab geht es immer noch nicht. Erst nochmal hinauf, über ein Plateau und nochmal hoch über eine Kuppe. So komme ich nicht runter ins Tal. Aber es ist ein schöner Weg.

Hinter der letzten Kuppe wird es flacher und weniger felsig. Ich gehe über die zwischendurch sehr nasse und matschige Wiese. Der Berg links gefällt mir, mit seinen Felsen und der Wiesen-Schräge auf der anderen Seite.

Wenn es jetzt die ganze Zeit nur leicht bergab geht, muss es am Ende ja nochmal steiler werden. Das hier ist fast schon ein Spazierweg. An Kühen vorbei, weiter zum nächsten See.

Unten am Wasser sehe ich einen Angler. Und vor der Schutzhütte, die hier eine Höhle im Fels zu sein scheint, steht eine ganze Gruppe Leute. Ich folge kurz einem breiten Schotterweg und dann einem schmalen Pfad bis zur Staumauer. Mal wieder ist es ein Stausee.

Jetzt geht es in leichtem auf und ab zwischen Sträuchern und einzelnen kleinen Tannen weiter hinab. Entlang des Baches langsam runter ins Tal.

Da unten kann ich eine große Straße erkennen. Die Zivilisation kommt näher.

Wenig später sehe ich die ersten Häuser. Das sieht ja lustig aus, wie eingepfercht der Ort in dem kleinen Talkessel da unten ist. Die Hälfte des Ortes besteht aus einem großen Kraftwerk. Auf der einen Seite sehe ich einen Eisenbahntunnel und oberhalb die große Straße. Von hoch oben am Berg führen auf beiden Seiten dicke Rohre nach unten. Wahrscheinlich vom Wasserkraftwerk.

Der Pfad führt auf dem Weg nach unten ein paar Mal unter diesen Rohren her. Erst noch über die Wiese und später durch den Wald. Bis ich unterhalb der Straße herauskomme.

Ich habe die ganze Zeit schon guten Empfang. Jetzt kann ich mein Handy ja wieder nutzen, wo ich aus Andorra raus bin. Ich schreibe Orietta eine E-Mail. Und bin ganz erstaunt, dass ich wenig später schon eine Antwort habe. Anscheinend habe ich sie irgendwann in den letzten Tagen unbemerkt überholt. Sie ist gerade zur Mittagspause an einer kleinen Hütte, wo ich gestern hergekommen bin. Morgen kommt sie hier durch den Ort. Auch wenn sie direkt weitergehen will, verabreden wir uns auf ein Getränk. Das letzte Mal haben wir uns an Tag 16 gesehen.

Ich laufe am Kraftwerk vorbei, über eine Brücke und durch die Gassen bis ins Zentrum dieses kleinen Ortes. In alle Richtungen zeigen Wander-Wegweiser. Und ich sehe nur Leute mir großen Rucksäcken. Da es hier einen kleinen Bahnhof gibt, ist es wahrscheinlich ein beliebter Start- und Endpunkt.

Ich gehe zwischen Steinhäusern weiter bis zum kleinen Supermarkt. Um kurz nach 13 Uhr bin ich da. Dann ist das heute ja schon fast ein Pausentag, wenn ich jetzt noch den ganzen Nachmittag Zeit habe.

Ich frage, was es zu essen gibt. Ich solle mich einfach umschauen und mir was aussuchen. Es gibt Geschirr, Besteck und eine Mikrowelle. Man kann sich sein Essen warm machen und es sich an einem der Tische gemütlich machen. Es gibt nur eine extra Getränkekarte. Auch gut. Ich setze meinen Rucksack ab und schaue mir die Auswahl an. Der Laden ist nicht groß. Leider gibt es nicht viel frisches Obst und Gemüse. Ich stelle mir mein Mittagsmenü zusammen aus einem Apfel, Gemüsesuppe in einer Glasflasche, einer kleinen Tüte Croûtons und Tortilla Chips. Die Suppe mache ich warm und schütte die Croûtons darüber. Das Konzept hier finde ich gut. Und das allerbeste ist – es ist auch noch ein Spiele-Café. An den Wänden rings um die Tische stehen Regale mit zig verschiedenen Spielen. Das ist mega. Jetzt bräuchte ich nur noch jemanden, der mit mir spielt. Ich hätte morgen den ganzen Tag Zeit.

Zu den Tortilla Chips gibt es warme Käsesauce. Wie im Kino. Dabei schreibe ich. Ich sitze bestimmt 2 Stunden hier, bevor ich mich auf den Weg zum Campingplatz mache. Ich weiß schon, wo ich meinen Tag morgen verbringen werde.

Auf dem Weg hole ich beim Bäcker ein Baguette. Die waren im Supermarkt aus. Und dann habe ich Glück. Die Dame an der Rezeption vom Campingplatz wollte gerade Feierabend machen. Aber sie ist ganz entspannt und bittet mich herein. Sie weist mir einen Stellplatz zu. Wenn mir der nicht gefällt, soll ich mir einfach einen anderen Platz aussuchen. Ich bezahle 8,26 € für die Nacht. Endlos warmes Wasser ist inkludiert. Ich habe das Gefühl, dass man gerade bei den teuren Campingplätzen die Duschen auch noch extra bezahlen muss. Oder das warme Wasser beschränkt wird auf 3 Minuten.

Ich baue mein Zelt auf. Wobei ich ewig brauche, die Heringe in den Boden zu bekommen. Unter dem Gras scheint es ziemlich steinig zu sein. Einen Hering verbiege ich. Als das Zelt endlich steht, mache ich einen Rundgang. Ich wasche meine Klamotten mit der Hand. Bis das Wasser nicht mehr ganz so braun ist. Hoffentlich trocknen die Sachen, ein bisschen Sonne wäre gut. Dann stelle ich mich unter die Dusche. Herrlich. Was ein Luxus. Ich stehe ewig unter dem warmen Wasser. Nachdem nun auch der ganze Dreck und das getrocknete Blut von meinen Beinen abgespült ist, bleiben nur kleine Kratzer und es sieht gar nicht mehr so schlimm aus.

Ich koche die Eier, die ich vorhin im Supermarkt gekauft habe. Das funktioniert super. Ich habe in meinem Topf bisher immer nur Wasser gekocht für die Fertiggerichte. Gas habe ich genug. Vielleicht ist die große Kartusche dann bald endlich leer. Eine neue trage ich ja schon seit Gavarnie mit mir herum.

Zu den Eiern gibt es Baguette und eine Flasche Orangina. Das Einkaufen von Proviant habe ich auf morgen verschoben. Das hat mich heute überfordert. Ich stand ewig vor den Regalen und wusste nicht, was ich mitnehmen sollte. Erstmal muss ich ein bisschen weiter planen, mir die Route anschauen und heraussuchen, für wie viele Tage ich einkaufen muss. Das steht für morgen früh auf dem Programm.


14,4 km
4:25 h
482 hm
1.400 hm
2.544 m