Ich bin schon vor Sonnenaufgang wach. Eigentlich kann ich doch auch weitergehen. Was soll ich denn den ganzen Tag hier machen? Ich muss ein bisschen weiter planen, schreiben und einkaufen. Aber nein, Pause ist wichtig. Ich mache heute den geplanten Pausentag. Und damit ich mich auch nicht mehr umentscheide, gehe ich direkt um 8 Uhr zur Rezeption und sage Bescheid, dass ich noch eine Nacht bleiben möchte. Morgen muss ich bis 11 Uhr weg sein, da schließt der Campingplatz für den Winter. Aber da werde ich längst wieder auf dem Weg nach oben sein.
Die meisten Hütten haben nur bis zum 30. September geöffnet. Aber da ich sowieso am liebsten im Zelt schlafe, stört mich das nicht weiter. Und bei meiner Planung und Recherche für die nächsten Tage kommt heraus, dass ich in den letzten beiden Wochen noch 3 mal durch einen Ort komme, wo ich einkaufen kann. Das heißt, ich werde nicht verhungern. Und heute muss ich auch nur für die nächsten 3 Tage einkaufen. Das macht es etwas einfacher. Und der Rucksack bleibt leicht.
Ich freue mich schon sehr auf den weiteren Weg. Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass noch einige Gipfel kommen. Und ein ganz langer Grat. Das wird gut. Und Richtung Mittelmeer wird das Klima milder. Jetzt wird es wieder wärmer und trockener. Das bedeutet nur auch, dass ich wieder mehr Wasser tragen muss.
Meine Klamotten, die ich gestern gewaschen habe, trocknen nicht ohne Sonne und Wind. Und heute Nachmittag soll es regnen. Vielleicht muss ich dann später doch an der Rezeption nach einer Marke für den Trockner fragen. Hier in das schmale Tal kommt wohl nicht so viel Sonne. Der Himmel ist wolkenfrei.
Erst um halb 12 sehe ich ganz am Ende des Campingplatzes Sonne. Ich warte gerade, dass meine Powerbanks aufgeladen sind und mache solange Faxen. Also klettere ich über die Absperrung und stelle mich in die Sonne. Das ist schön.

Heute laufe ich in Regenklamotten herum. Daran erkennt man Wanderer, die einen Pausentag machen und ihre Klamotten waschen bzw. gerade trocknen. Trotz Sonne zieht man seine Regenjacke und Regenhose an. Man hat ja nun keine große Auswahl dabei.
Ich leere meinen Rucksack und lasse alles im Zelt. Dann geht es einkaufen. Heute fällt es mir leichter, mich für eine Auswahl an Proviant zu entscheiden. Für heute Abend nehme ich auch noch ein paar Kalorien mit. Und zum Mittag gibt es eine Lasagne aus dem Glas, die ich mir in der Mikrowelle warm mache.
Dann wird gespielt. Oder besser gerätselt. Ich frage die nette Frau im Spiele-Café, ob sie mir ein Solo-Spiel empfehlen kann. Sie scheint sich zu freuen und spricht zumindest so viel Englisch, dass wir uns ganz gut verständigen können. Sie kennt sich gut aus und erklärt mir ein Rätsel-Puzzle. Dann brauche ich die französische Anleitung nicht. Ich bin begeistert. Solche Knobel-Spiele mag ich. Die nächsten paar Stunden bin ich beschäftigt. Dazu trinke ich Kakao. Manche Wörter in dem Puzzle muss ich nachschauen, aber mit ein bisschen französisch komme ich zurecht.

Um 20 vor 2 sagt die Frau mir Bescheid, dass sie um 14 Uhr für 2 Stunden schließt. Aber ich könne ruhig alles so liegen lassen und später weiter rätseln. Dann mache ich das doch.
Ich nehme meine Einkäufe mit und mache mich auf den Weg zum Campingplatz. Gerade als ich am Zelt ankomme, ruft Orietta an. Sie ist jetzt am Supermarkt. Also stelle ich meinen Rucksack ab und laufe den Weg wieder zurück. So komme ich am Pausentag trotzdem auf einige Schritte.
Wie sitzen vor dem geschlossenen Supermarkt an einem Tisch und tauschen uns über die letzten Tage aus, über die weitere Planung und über unsere Erlebnisse. Es ist schön, dass wir uns nochmal sehen und schön, ein bisschen zu reden. Mit jemandem, der dasselbe erlebt. Orietta hatte zum Beispiel an derselben Stelle die gleiche angsteinflößende Begegnung mit den Herdenschutzhunden.
Wie ziehen weiter zum Bäcker. 5 Chocolatines (oder auch Pain de Chocolat) gibt’s im Angebot. Perfekt, die teilen wir uns. Angebots-Kalorien für Weitwanderer. Uns geht es schon gut.

Wie trinken noch einen Kaffee und Kakao zusammen, bevor Orietta sich verabschiedet. Sie macht sich heute noch an den Aufstieg. Vielleicht sehen wir uns in einer Woche in Arles-sur-Tech nochmal.
Zurück am Zelt, packe ich erstmal meine Einkäufe aus. Sortiere und packe um. Alles an Verpackung, was nicht sein muss, lasse ich hier. Dann trage ich nicht so viel Müll mit mir herum.

Ich belege die Baguettes mit Käse und Schinken und koche nochmal Eier. Für die Aufstiegs-Energie, die ich morgens und vormittags brauche, gibt es Madeleines und Honigkuchen. Endlich keine Schokoriegel mehr. Abends probiere ich es mit Nudeln und Thunfisch.
Für heute habe ich noch Blaubeer-Joghurt und Birnen aus den Glas mitgenommen. Da war mir irgendwie nach, als ich das gesehen habe. Sowas gibt’s nur an Pausentagen. Die Gläser sind zu schwer zum Mitschleppen.
Der Pausentag artet ja richtig in Stress aus. Es ist schon nach 16 Uhr. Als ich meinen Proviant verpackt habe, gehe ich wieder zum Spiele-Café. Dort sitze ich bis fast 19 Uhr und mache weitere Rätsel-Puzzle. Wanderer scheinen hier die Hauptkundschaft zu sein. Ich frage die Inhaberin, ob auch viele Einheimische kommen zum Spielen. Das sei noch neu und hat sich noch nicht so viel herumgesprochen. Aber am Wochenende und in den Ferien würden schon einige Leute kommen. Ich hoffe, dass hält sich hier in dem kleinen Ort. Ich finde es cool.
Abends liege ich im Zelt und schreibe und so ist es schon wieder spät als ich die Augen zumache. Ich freue mich auf morgen. Das Wetter soll gut werden die nächsten Tage und ich bin bereit für ein paar Gipfel. 200 Kilometer nur noch bis zum Mittelmeer.
Sven
Du und dein Pausenstress. Ich hoffe du konntest dich gut erholen und deine Füße sind fit für den End“spurt“.