Zwischendurch kommt immer wieder eine starke Windböe. Es ist ruhig, dann wieder eine Böe. Ich schlafe nicht ganz so viel. Als es hell wird, bleibe ich noch eine ganze Weile liegen. Dann koche ich Tee, esse Madeleines und schreibe in Ruhe von gestern. Es ist 11 Uhr bis ich fertig bin. Ich ziehe mich an und packe zusammen. Eine halbe Stunde später gehe ich los. Heute fühle ich mich danach, warm eingepackt ganz entspannt ein bisschen zu spazieren.

Trotz Wolken sieht es ganz freundlich aus. Da habe ich mich wohl gestern vom Wetterbericht und den tief hängenden Wolken etwas einschüchtern lassen für heute.

Es geht nur 100 Höhenmeter hoch zum Pass. Mir ist aber schnell viel zu warm. Es ist nicht so kalt heute, selbst der Wind ist nicht so eisig. Also mache ich eine kurze Pause und ziehe meine lange Hose und das Langarmshirt wieder aus. Schon besser.

Vom Coll de la Marrana geht es dann nach unten. Es gibt heute nicht viel Auf- und Abstieg. Wahrscheinlich komme ich nur auf jeweils 500 Höhenmeter hoch und runter. Das unterfordert mich ja richtig. Das wird ein Faulenzer-Tag. Spät losgehen, wenig Höhenmeter. Und wo ich schlafe, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich wird es schwierig mit Zelten in dem Gelände. Aber ich komme an einer Hütte vorbei.

Es geht in Kehren nach unten, in den Wald und durch ein Skigebiet. Plötzlich kommt von links ein Jeep die Piste herunter. Kurz später gehe ich an der bewirtschafteten Hütte Refugi d’Ulldeter vorbei. Wahrscheinlich haben sie schon zu für den Winter. Es ist niemand da. Ich fülle nur mein Wasser auf, da ich heute wahrscheinlich nicht mehr an einer Quelle vorbeikomme.

Hinter der Hütte geht es noch ein paar Kehren durch den Wald nach unten. Bis ich an eine Straße komme. Ich gehe auf dem Asphalt wieder nach oben, kürze eine Serpentine über einen kurzen, steilen Pfad ab und stehe auf einem riesigen Parkplatz. Der jetzt komplett leer ist. Ich gehe durch ein großes Skigebiet, am Restaurant vorbei und unter einem Lift her.

An einer Ecke eines großen Gebäudes hängen ganz unscheinbar ein paar Wegweiser. Hier biege ich wieder auf einen Pfad ab. Weg von den Schotterpisten, die auf den Winter und die Skifahrer warten.

Bis zum nächsten Pass geht es wieder 250 Höhenmeter nach oben. Erst lade ich aber kurz den Bericht von gestern hoch, der Empfang ist gerade gut.

Es geht steil und in Kehren hoch, dann über die Wiese weiter. Das Gelände ist ganz weitläufig, einen Pass hätte ich hier nicht erkannt. Es ist so flach und weit und breit nur Wiese am Portella de Morens. Die Grenze verläuft hier her, letzte Nacht habe ich in Spanien geschlafen. Aber auch das sieht man nur, wenn man auf die Karte schaut.

Ich schaue mich um, es gibt nur ein paar Trampelpfade. Und kleine Infotafeln, dass ich mich im Naturschutzgebiet befinde. Auf der Karte sehe ich, dass es zwei Pfade gibt. Eine GR11 Variante und einen wahrscheinlich unmarkierten Pfad über den Grat. Der sieht nicht schwierig aus und das sind auch nicht viel mehr Höhenmeter. Dann nehme ich den doch. Wenigstens ein bisschen Abenteuer heute.

Ich gehe querfeldein die Wiese nach oben. Einen Pfad finde ich nicht, auch keine Steinmännchen. Ich folge einfach dem Pfad auf meiner Uhr. Es ist nicht so steil.

Es wird ein bisschen steiniger und ich komme am perfekten Schlafplatz vorbei. Da hat jemand ein Rechteck aus hüfthohen Steinmauern gebaut. Ein sehr guter Windschutz.

Weiter oben, als ich mehr sehen kann, bin ich ganz erstaunt. Ich dachte, dass es nach links auch runter geht und ich hier auf dem Grat gehe. Aber es ist einfach eine riesige Ebene. Hier braucht man keinen Pfad, man kann einfach laufen wie man lustig ist.

Kurz später stehe ich auf dem Pic de Coma Ermada auf 2.495 Metern. Der Gipfel ist mit einem Steinmännchen und einem Holzstab gekennzeichnet. Der Name steht auch auf einem Stein.

Weiter geht es auf diesem ultra breiten Bergrücken. Irgendwie lustig so weit oben. Ich gehe ein bisschen runter und dann die paar Meter nach oben zum nächsten Gipfel. Den anderen Pfad unterhalb kann ich die ganze Zeit sehen.

Der nächste Gipfel ist der Pic de la Llosa auf 2.504 Metern.

Hier ist die Wiese mit ganz vielen hellen Steinen bedeckt. Es geht etwas steiler nach unten. Immer schön mit Abstand zur Kante. Rechts geht es nämlich steil nach unten.

Windig ist es hier oben wieder. Jetzt setze ich doch schnell meine Mütze auf und ziehe Handschuhe an. Immer wieder versuche ich in der Ferne etwas zu erkennen. Das Mittelmeer soll man schon sehen können. Aber ich sehe nur Wolken und Dunst am Horizont.

Noch ein kleiner Anstieg zum letzten Gipfel, jetzt wieder nur über die Wiese. So hatte ich wenigstens einen schönen Ausblick zu allen Seiten bei diesem Weg. Ich mache eine kurze Pause auf dem Roques Blanques auf 2.456 Meter Höhe.

Dann geht es runter. Querfeldein bis zu dem Pfad, den ich da unten schon sehe. Den mittleren Pfad nehme ich.

Und weiter geht es über diese endlose Ebene. Ganz hinten, der linke Gipfel, da geht es übermorgen hoch. Das ist der Canigou, einer der beliebtesten Berge in den östlichen Pyrenäen.

Ich wechsele auf die andere Seite einer Erhebung und gehe nun am Hang entlang. Nicht mehr über die Ebene weiter. Das weiche Licht in der Ferne sieht schon den ganzen Tag gut aus, so mystisch.

Kurz vor dem nächsten Pass steht eine kleine Metallhütte. Ich schaue mir die Karte an. Hier finde ich keinen ebenen Platz für mein Zelt und wenn ich jetzt weitergehe, die nächsten 2 Stunden wahrscheinlich auch nicht.

Ich denke, dann bleibe ich heute wohl hier im Refuge de la Porteille de Rojta. Auch wenn es erst 16 Uhr ist. Das passt ja zu dem Tag. Dann passt das auch gut, dass ich morgen kurz vor dem Canigou Gipfel zelten kann und übermorgen früh morgens dann auf den Gipfel steige. Vor allen anderen Leuten.

Ich teste, ob das Metallgestell stabil ist. Das sieht ganz schön schief aus. Aber es hält.

Also richte ich meinen Schlafplatz auf der oberen Ebene her. Hier drinnen habe ich wenigstens Ruhe vor dem starken Wind draußen. Die drei Kühe kommen näher und grasen eine Weile direkt vor der Tür, dann verschwinden sie und ziehen weiter.

Gut, dass ich genug Wasser mitgenommen habe. Hier gibt es nämlich nichts. Ich ziehe mich warm an und koche. Heute gibt es früh essen. Mal wieder Nudeln mit Thunfisch. Zumindest beim Thunfisch habe ich ein wenig Abwechslung. Gestern gab es Thunfisch mit Zitrone und Thymian. Heute in Tomatensoße. Aber im nächsten Ort finde ich dann hoffentlich was anderes für die letzten Tage.

Gegen 18 Uhr bekomme ich Gesellschaft. Ein Franzose, der den HRP läuft, möchte auch hier schlafen. Er richtet sich auf der unteren Ebene ein. Ich liege in meinem Schlafsack und er setzt sich zum Essen an den Tisch. Dabei unterhalten wir uns die ganze Zeit gut. Dann schreibe ich noch und um 21 Uhr ist Schlafenszeit.


12,1 km
3:10 h
685 hm
719 hm
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