Heute ist Pause angesagt. Es ist ein gemütlicher und entspannter Tag. Ich schaue mich noch ein bisschen um und lerne, dass Ovi Raishiin auf Kven “die Tür zum Reisadalen” bedeutet. Ovi Raishiin heißt der Ort hier. Und Kven ist eine von drei traditionellen Sprachen, die in diesem Tal gesprochen werden. Die Kven stammen von finnischen Bauern und Fischern ab, die im 18. und 19. Jahrhundert nach Nordnorwegen ausgewandert sind. Das sagt jedenfalls Wikipedia. Seit 2005 ist Kven in Norwegen als Minderheitensprache anerkannt.

Wie immer an meinen Pausentagen hole ich Schreibarbeit nach, plane den nächsten Abschnitt und telefoniere mit Familie und Freunden. Wobei letzteres heute etwas zu kurz kommt, da der Empfang eher schlecht und sehr schwankend ist und es keine Lademöglichkeit gibt. Bei der starken Bewölkung funktioniert auch mein Solarpanel nicht so gut, deswegen muss ich ein bisschen sparsam sein.

Ich denke viel über meinen weiteren Weg nach und entscheide mich dafür, das Nábár auszulassen. Eigentlich wollte ich hinter der Nedrefosshytta rauf auf die Hochebene und dann querfeldein nach Masi rübergehen. Es gibt wohl zwischendurch ein paar Quadspuren der Samen, die ich nutzen könnte und ich habe den Track von Karina, die letztes Jahr genau dieselbe Route gewählt hat. Allerdings gibt es auf dem Weg 3 große Flüsse und Karina hatte mir auch schon geschrieben, dass das Wasser ihr bis zur Mitte der Oberschenkel reichte. Auf die Furten habe ich keine Lust, vor allem bei der Kälte nicht. Außerdem ist meine letzte Etappe noch eine große Unbekannte, wo es fast ausschließlich querfeldein geht. Da möchte ich es mir jetzt möglichst einfach machen und meine verbliebene Kraft aufsparen. Wenn überhaupt noch welche da ist… Deswegen werde ich dem Wanderweg weiter nach Kautokeino folgen und von dort nach Masi gehen. Das ist zwar ein bisschen Zickzack, weil ich so erst nach Süden gehe, aber wahrscheinlich bin ich im Endeffekt trotzdem schneller, als wenn ich querfeldein gehen würde.

Ich schaue nach Übernachtungsmöglichkeiten und buche für Mittwoch ein Hotelzimmer in Kautokeino. Es gibt auch einen Campingplatz, aber ich habe richtig Lust auf das große Frühstücksbuffet, was richtig gut sein soll. Eigentlich könnte ich auch schon am Dienstag dort sein, aber da ist alles ausgebucht. Also reserviere ich für die nächsten beiden Nächte noch ein Bett in der Nedrefosshytta. Das ist noch eine der wenigen DNT-Hütten, die man vorher buchen muss. Was irgendwie ziemlich blöd ist, da es ringsherum keinen Empfang gibt. Gut, dass ich das schon weiß und jetzt erledigen kann.

Da es in Kautokeino einen Supermarkt gibt, kann ich auch Verpflegungs-Nachschub kaufen. Das Knäcke- und Schüttelbrot und fast die ganze dunkle Schokolade aus meinem neuen Versorgungspaket ist nämlich abends irgendwie schon alle. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte.