Ich schaue heute morgen als erstes aus dem Fenster. Es ist unverändert grau und nass. Schade, wieder keine Sicht auf die Umgebung heute. Ich ziehe meine Regensachen drüber und gehe erst gegen halb 8 los. Vorher noch schnell bezahlen. Das Riemannhaus ist die erste Hütte, die einen Corona-Aufschlag von 5 Euro pro Nacht verlangt, da sie nur so wenig Schlafplätze vergeben dürfen. Naja, das Problem haben ja alle Hütten.

Die ersten 2,5 Stunden zum Ingolstädter Haus geht es durch die nebelige Steinwüste. Immer wieder hoch und runter. Über ein paar schmuddelige Schneefelder laufe ich durch den Regen. Ich muss sagen, meine dünnen, wasserdichten Überzieh-Handschuhe waren eine der besten Neuanschaffungen vor der Tour. Damit bleiben die Hände auch bei Regen und Wind warm.

Es sieht gut aus, wie das Grau zwischendurch von den roten Felsen durchzogen ist.

Bald kommt das Ingolstädter Haus in Sicht. Da ich mir hier sowieso einen Stempel holen möchte, mache ich gleich länger Pause und esse noch was. Bei dem Wetter sitze ich dann doch nicht so gerne draußen, um mein eigenes Essen zu essen. Ich ziehe mich im Trockenraum um und habe Glück, dass in der Stube schon eingeheizt ist. Da ich noch der einzige Gast bin, mache ich es mir auf dem gemütlichsten Platz am Kachelofen bequem. Jetzt gerade schlägt Kachelofen und warme Suppe dann das ungemütliche Wetter draußen.

Deswegen bleibe ich hier auch bestimmt 2 Stunden sitzen, bevor ich wieder meine nassen Sachen anziehe. Es kommt noch eine 6-köpfige Gruppe vorbei und eine Frau aus Dresden. Für alle Kurzurlauber ist das Wetter natürlich ziemlich ärgerlich. Ein Wochenende im Nebel herumlaufen, traumhaft. Mich stört es nicht allzu sehr, ich hatte schon genug Sonne und ab Montag soll es wieder schöner werden. Das gehört eben auch dazu.

Jetzt gehe ich fast nur noch bergab. Das war ein Kurzbesuch im Steinernen Meer. Es geht über Felsen und Geröllhänge und wird bald schon wieder grüner. Ich komme an einigen Wasserfällen vorbei. Durch den vielen Regen sind sie ziemlich reißend.

Weiter geht es durch den Wald. Überall kommen kleinere und größere Bäche den Berg herunter und überschwemmen teilweise den Weg.

Ich überhole die Gruppe, die auch an der Hütte Pause gemacht hat. Sie haben anscheinend eine geführte Wanderung mit Bergwanderführer und Transfer gebucht. Sie werden unten am Stausee von einem Taxi abgeholt und wollen dann weiter zu den Drei Zinnen.

An der Talstation der Materialseilbahn geht es auf eine Schotterstraße und diese dann weiter steil hinab. Entlang des Stausees geht es nochmal ein Stückchen hoch. Dann nur noch runter.

Die letzten 10 Kilometer sind wieder ziemlich fad. Schotterstraße, Weide, Wald, Nebel, Regen, Serpentinen. Nur zwischendurch noch ein Wasserfall.

Das Taxi mit der Wandergruppe hält neben mir, aber ich laufe. Natürlich. Selbst wenn es noch doppelt so lang an dieser blöden Straße weiter gehen würde. Irgendwann wird es mir zu warm in meinem Regensachen und in einer Regenpause ziehe ich mich aus und gehe in kurzen Sachen weiter. Ich stecke mir wieder meine Ohrstöpsel mit Musik in die Ohren, singe laut mit und gehe und tanze die Straße runter. Hier ist weit und breit niemand anders unterwegs. Und irgendwie muss man eben das Beste draus machen. Ich genieße ich es, in kurzen Sachen durch den Regen zu wandern. Meine Schuhe und Socken sind sowieso nass und der Rest trocknet bis morgen.

Mein Ziel ist das Bergheim Hirschbichl. Der Gasthof liegt direkt vor dem Grenzübergang nach Deutschland. Ich sitze noch ein bisschen mit 2 Münchner Mädels zusammen im Aufenthaltsraum, dann verabschiede ich mich schon wieder ins Bett.


23,4 km

6:10 h

642 hm

1655 hm

2309 m