Nach dem Aufwachen heute morgen beschließe ich, noch einen kleinen Gipfel einzuschieben. Das brauche ich mal wieder bei den im Moment recht einfachen und wenig spektakulären Etappen. Ich bin sowieso früh wach, weil Hüttenruhe für die anderen im Lager scheinbar ein Fremdwort ist.

Ich nutze also die Zeit, während alle anderen frühstücken, und mache mich an den kurzen Aufstieg. Ausgeschildert sind nur 40 Minuten zum Stripsenkopf auf 1807 Metern. Über dem Tal und den entfernten Gipfeln liegt ein morgendlicher Dunst. Es ist eine schöne Stimmung.

Es geht durch Latschen steil den Berg hinauf. Oben gibt es kein Gipfelkreuz, sondern einen kleinen Holzpavillon. Mit Panoramatafeln der Berge drumherum.

Mein Lieblingsplatz liegt aber ein paar Schritte vom Gipfel wieder runter. Mit Blick auf die imposanten Felsen des Wilden Kaisers.

Dann bekomme ich doch schon Gesellschaft. Eine ältere Dame, eine Einheimische, ist auch schon früh losgegangen. Wir unterhalten uns, sie ist so begeistert von dem Blick hier oben. Sie geht jährlich einmal die Kaiser-Umrundung und ist noch echt fit. Sie bedankt sich für das nette Gespräch und dann gehe ich auf demselben Weg wieder runter zur Hütte.

Vorbei an diesem Einstieg zum Klettersteig. Da bleibe ich lieber beim Wandern.

Auf diesen Gipfel kommt man auch nur über Klettersteige. Der Hundskopf.

Und unter mir ein schöner Blick auf das Stripsenjochhaus. Die Lage ist schon echt super.

Zurück an der Hütte mache ich mich dann an den Abstieg. Heute geht es nach Kufstein. In Kehren gehe ich durch Latschenfelder und später durch Wald hinab. Viele hohe Stufen über Steine und Wurzeln. Vorbei am Hans-Berger-Haus und weiter zum Anton-Karg-Haus. Ich bin schon gespannt, laut Wanderführer eine der am schönsten gelegenen Schutzhütten der Ostalpen. Da ist sie. Finde es jetzt nicht so besonders.

Von unterhalb der Hütte hat man allerdings nochmal einen super Blick auf die hohen Felsen. Im Vordergrund die Mariahilf-Kapelle neben dem Kaiserbach.

Jetzt geht es lange die Schotterstraße runter. Eigentlich könnte ich ja ganz entspannt gehen und mir Zeit lassen. Die ganzen Bremsen machen mir aber einen Strich durch die Rechnung. Nervige Biester! Sie kreisen die ganze Zeit um mich herum. Solange ich in Bewegung bleibe und meine Jacke als Wedel benutze, geht es. Aber bloß nicht stehen bleiben. Den Fehler mache ich an einer Wasserstelle, um einen Stich zu kühlen. Gehe dann aber doch ganz schnell weiter.

Irgendwann wird es dann zum Glück ein bisschen besser. Jetzt kann ich auch stehen bleiben, um ein Foto von dem Blick auf Kufstein zu machen.

Kurz bevor ich dann schon unten bin, geht der Weg nochmal links ab auf einen schmalen und steilen Pfad durch den Wald. Es geht runter zum Kaiserbach und über eine Brücke. Auf der anderen Seite war auch mal ein Weg, der aber anscheinend weggespült wurde von den Wassermassen letzte Woche. Das sieht nicht gut aus da drüben.

Tja, blöd auch, mir fällt ein paar Schritte weiter nämlich auf, dass das mein Weg wäre. Genau da muss ich wieder hoch. Da ich jetzt schon mal hier unten bin, gehe ich weiter und schaue mir das Chaos aus der Nähe an. Vielleicht komme ich ja trotzdem hoch.

Also geht’s rüber über den Kaiserbach. Und dann stehe ich vor dem Erdrutsch.

Vorsichtig klettere ich ein Stück hinauf, habe aber nicht viel Halt auf den losen Steinen. Bis über die beiden kaputten Leitern komme ich recht einfach, danach wird es kniffelig. Über ein ziemlich steiles Stück muss ich rüber zu der abgerissenen Treppe. Darüber ist der Weg unversehrt. Ich probiere ein bisschen herum, traue mich aber nicht weiter. Nach ein bisschen hin und her geht’s also doch wieder runter. Mehr rutschend als gehend. Noch ein Versuch etwas weiter links am Wasserrohr entlang und kurz darauf stehe ich tatsächlich auf dem Weg. Allerdings völlig schweißüberströmt, staubig und verdreckt. Der Weg sollte besser gesperrt werden. Oben auf einer Bank muss ich erstmal durchatmen.

Als ich zur nächsten Kreuzung komme, ist der Weg tatsächlich gesperrt. Aber eben nur von dieser Seite.

Jetzt geht es das letzte Stück durch den Wald und über Wiesen nach Kufstein. Mit der Festung auf dem Hügel und dem Pendling im Hintergrund.

Oh je, Straßen, Autos, Abgase, Lärm, so viele Menschen – das habe ich nicht vermisst. Ich stehe auf dem Marktplatz und schaue mir ein bisschen das Treiben um mich herum an. Ich weiß nicht so recht, wohin mit mir. Ich kann erst um 17 Uhr in mein Zimmer, habe also noch 3 Stunden Zeit. Ich suche erstmal die Tourist-Information für einen Stempel und hole mir dann ein großes Eis. 3 Kugeln Zitrone, perfekt! Damit setze ich mich an den Inn. Laufe dann aber doch noch ein bisschen rum und schaue mich um, bis ich im Stadtpark ein paar große, geschwungene Holzliegen im Schatten finde. Hier lege ich die Beine hoch. So kann man es ganz gut aushalten.


18,9 km

4:50 h

400 hm

1456 hm

1807 m