Ich habe so schlecht geschlafen letzte Nacht. Ich habe schon seit ein paar Tagen ein bisschen Husten, gestern Abend wurde es aber ganz schlimm. Ich hatte ständig ein Kratzen im Hals und bin erst nach 2 Uhr eingeschlafen. Deswegen liege ich auch heute morgen etwas länger im Bett. Draußen ist es sowieso bewölkt und nieselt.

Meine Eltern sind mit Freunden zusammen seit gestern in Pertisau am Achensee und machen dort Urlaub. Heute wollen wir uns hier oben treffen und dann zusammen absteigen. Da sie aber nicht vor mittags hier sein werden, habe ich noch genug Zeit. Ist also die Frage, ob ich noch auf einen Gipfel steige oder mich lieber ausruhe. Ich fühle mich zwar nicht schlapp, aber inzwischen hört sich der Husten gar nicht gut an und mein Brustkorb tut richtig weh beim Husten. Aber frische Luft und leichte Bewegung sind ja immer gut, also mache ich mich doch auf den Weg auf den Hochiss. Ich gehe ganz langsam und schaue, dass mein Puls nicht so hoch geht. In den vielen kleinen Pausen überlege ich zwar immer wieder, ob ich nicht lieber wieder umdrehe, gehe aber doch weiter. Irgendwann wird es mit dem Husten auch besser. Vielleicht bin ich jetzt warm gelaufen.

Der Weg führt zurück zur Mauritzalm und dann über einen schmalen Wiesenpfad unterhalb des Gschöllkopfes mit dem Adlerhorst. Dort war ich 2017 schon mal oben, als wir hier Urlaub gemacht haben.

Nach dem Abzweig auf den Gschöllkopf kann ich dann schon das Gipfelkreuz des Hochiss vor mir sehen. Er ist mit 2299 Meter Höhe der höchste Gipfel im Rofan-Gebirge.

Es nieselt noch ein bisschen und ist ziemlich windig. Langsam verziehen sich die Wolken aber und der Himmel sieht beim Blick zurück schon wieder freundlicher aus. Obwohl eigentlich nur Regen und Gewitter angesagt sind.

Der Gschöllkopf sieht von weitem ganz lustig aus. Von dieser Seite wirkt er wir eine Rampe.

Der Weg führt an Latschen vorbei und über Steine. Unter dem Gipfel wird es ein bisschen felsiger. Ein sehr schöner Weg. Heute brauche ich zwar länger als die Zeitangabe auf dem Wegweiser unten, aber ich komme an. Juchhu, oben kommt dann sogar die Sonne raus. Der Ausblick ist genial.

Es ist nur richtig windig. Also schnell noch einen Pulli überziehen. Es ist einiges los am Gipfel, ein reges Kommen und Gehen. Ich schreibe ins Gipfelbuch und es gibt sogar einen Stempel.

Die anderen melden sich von unterwegs, sie wollen auch gerne hoch zum Gipfel, also warte ich einfach jetzt hier oben. Es wird allerdings noch 2 Stunden oder so dauern. Ich mache es mir hinter einem Felsen bequem, wo es windgeschützt ist und koche mir was zu Essen. Nudeln mit Tomate und Paprika. Und genieße beim Essen die Aussicht.

Dann schaue ich immer wieder, ob ich schon jemanden erkennen kann. Ich kann von hier oben den ganzen Weg ab dem Abzweig zum Gschöllkopf überblicken. Und irgendwann sehe ich sie dann. Papa erkenne ich zuerst an seinem hellen Sonnenhut und Mama an ihrer beerenfarbenen Hose. Sie verschwinden nochmal kurz hinter den Felsen unter mir und müssen dann noch die letzten steilen Kehren hinauf. Dann fallen wir uns in die Arme. So schön, dass sie hier sind! Da darf natürlich auch noch ein gemeinsames Gipfelfoto nicht fehlen.

Bei meiner Deutschland-Durchquerung vor 2 Jahren haben wir uns auch am Gipfel getroffen. Wir sind eben alle ein bisschen wander-verrückt 🙂 Fehlt nur noch meine Schwester. Aber hochschwanger, mit meinen beiden Neffen im Bauch, ist das gerade etwas schwierig.

Nach kurzer Pause geht es dann an den Abstieg. Denselben Weg wieder zurück bis zur Mauritzalm. Den Pfad oberhalb der Geröllfelder und über die Wiese kann man auf dem Foto gut erkennen.

Papa hat auf dem Weg hoch schon Thymian am Wegesrand für mich entdeckt. Da kaue ich jetzt drauf herum. Thymian wirkt schleimlösend und hustenlindernd.

Nachdem die anderen schon von Maurach den ganzen Weg hochgelaufen sind, wollen sie jetzt mit der Seilbahn wieder herunterfahren, zumindest Mama, Moni und Hans-Peter. Papa läuft den Weg mit mir, fahren kommt ja schließlich nicht in Frage für mich. Also machen wir uns zu zweit an den weiteren Abstieg. Ein schöner Weg über Wiesen und später durch den Wald. In Maurach hole ich mir in einem Hotel noch einen Stempel und dann geht es neben den Gleisen der Achenseebahn bis zum See. Aktuell werden die Gleise neu verlegt, deswegen fährt die historische Dampf-Zahnradbahn nicht. Auf einem Schotterweg geht es dann am Achensee entlang bis nach Pertisau.

Meine Luxus-Unterkunft für die nächsten 3 Nächte ist das Sonnenhof Genusshotel in Pertisau. Meine Eltern und Moni und Hans-Peter sind hier schon Stammgäste und ich war 2017 auch schon mal mit hier im Urlaub. So ein schönes Hotel, nah am See, mit superleckerem Essen, viel Holz, gemütlichem Saunabereich. Es liegt für meine Wanderung zwar nicht ganz in meinem Budget, ich darf aber zum Super-Sonderpreis bleiben. So lieb von Familie Huber, den Inhabern! Genau das richtige, um mal 2 Tage zu entspannen und mir eine kurze Auszeit zu gönnen. Und natürlich ein bisschen Zeit mit meinen Eltern zu verbringen.

Ich leihe mir von Mama ein Kleid, um mich ein bisschen anzupassen. Es ist so ungewohnt, mal keine Wandersachen anzuhaben. Dann verbringen wir einen schönen Abend bei so gutem Essen. Es gibt hier abends immer ein großes Vorspeisen-Buffet, dann wird Suppe, Hauptgang und Nachtisch serviert. Man kann zwischen vier Gerichten wählen und es ist immer auch was leckeres, vegetarisches dabei. Jetzt muss ich nur noch meine Erkältung und den Husten wieder loswerden.


15,6 km

4:50 h

585 hm

1331 hm

2299 m