Weiter geht’s, heute bekomme ich Besuch aus dem Sauerland, aus Iserlohn. Margit, eine gute Freundin von mir, kommt heute mit dem Zug nach Lermoos und begleitet mich dann bis Donnerstag. Ich bin gespannt, wie das klappt, da sie noch nie in den Bergen war zum Wandern. Dementsprechend habe ich die Etappen auch etwas kürzer geplant, was allerdings nicht so ganz einfach war mit den Übernachtungen. Eine ziemlich anstrengende Etappe ist trotzdem dabei, da gibt es aber zur Not noch eine Variante durch das Tal.

Ich gehe um 7 Uhr los und habe die erste Stunde einen leichten Anstieg vor mir. Es geht die ganze Zeit über eine Schotterstraße. Noch ein Stück an der Leutascher Ache entlang, dahinter der Breitenkopf.

Irgendwann komme ich an einem Wegweiser vorbei, die Zugspitze ist mit 6,5 Stunden Gehzeit ausgeschildert. Da geht es für mich nicht hinauf. Allerdings kommen mir bald die ersten Wanderer entgegen, die sich wohl an den Aufstieg machen. Das Wetter ist auch perfekt, klarer Himmel und Sonne. Nur an den Bergen da hinten kleben noch die Wolken.

Ich komme an der Bergstation der Ehrwalder Almbahn vorbei. Deswegen sind hier also schon so viele Leute. Ich hatte mich schon über die Jeans und Schühchen von manchen gewundert. Hier laufen auch ein paar Zottelrinder herum, mit Nachwuchs – so süß.

Die Zugspitze kann man zwar von hier nicht sehen, dafür aber die Kette davor mit den Wetterspitzen und dem Wetterwandeck.

Ab der Bergstation geht es durch Wald und über Wiesen auf dem Schotterweg steil hinab. Die Leute, die mir entgegen kommen, wundern sich, dass die ersten schon wieder herunter kommen. Sie denken wohl, dass ich schon auf der Zugspitze war. Falsch gedacht.

Gegenüber schaue ich auf den Grünstein. Die Sonnenspitze rechts versteckt sich in der Wolke.

Von der Talstation der Seilbahn gehe ich über den Altmühlensteig am Gaisbach entlang weiter hinab nach Ehrwald. Durch den Ort und dann flach am Golfplatz und an bunt blühenden Wiesen vorbei, geht es weiter nach Lermoos. Inzwischen ziehen immer mehr Wolken auf über dem Zugspitz-Massiv.

Ich bin schon gegen 12 Uhr in Lermoos, Margit kommt erst um halb 3 an. Eigentlich wäre es halb 2 gewesen, aber wann klappt das schon mal bei der Bahn. Ich laufe einmal durch den Ort und setze mich dann im Lusspark auf eine Bank. Die Zeit nutze ich, um den Bericht von gestern zu schreiben und noch die restlichen Übernachtungen für diese Woche festzumachen. Zwischendurch regnet es ein paar Tropfen, dann kommen wieder wärmende Sonnenstrahlen durch die Wolken. Die Zeit geht jedenfalls schnell um.

Als Margit ankommt, füllen wir noch eben unser Wasser an einem kleinen Bach wieder auf und dann geht es direkt weiter. Wir haben schließlich noch knapp 800 Höhenmeter Anstieg vor uns.

Wir gehen zur Talstation der Grubigbahn und von dort geht es durch den Wald steil hinauf. Die Zeit vergeht ziemlich schnell, wir quatschen die ganze Zeit. Bis das dann zu anstrengend wird. Langsam steigen wir den Berg über einen schönen Pfad hinauf.

Es ist echt angenehm, dass es bewölkt ist und nicht so heiß. Wir machen einige kleine Pausen, aber der Anstieg klappt gut. Ich laufe zwar immer mal ein Stück vor, inzwischen ist mein Wohlfühltempo etwas schneller, aber warte dann immer wieder. Ich freue mich, dass Margit ein Stück mit mir wandert, in der Zeit gehe ich dann eben ein bisschen langsamer. Das ist für die paar Tage völlig okay.

Kurz vor einer Lichtung bleibe ich stehen. Das sieht ja lustig aus. Wir stehen im Trockenen, aber 5 Meter weiter regnet es. Da die Sonne gerade rausgekommen ist, sieht man die Tropfen gut. Wenig später zieht der kurze Schauer aber auch über uns hinweg. Und dann gibt es auch noch einen Regenbogen. Super schön, als würde er direkt unter uns auf der Wiese beginnen.

Dann ist es nicht mehr weit. An dem letzten Wegweiser gibt es noch einen Stempel und kurz darauf kann man die Hütte auch schon sehen.

Geschafft! Wir schlafen heute in der Wolfratshauser Hütte auf 1751 Meter Höhe.

Mit perfektem Blick auf die Zugspitze. Wenn denn die Wolken nicht wären.

Das hier ist schon eher eine gehobene Hütte mit recht feiner Speisekarte. Und vor allem gibt es erst um 19 Uhr Essen, was echt spät ist für eine Hütte. Oft gibt es sogar nur bis spätestens 18 Uhr warme Küche. Wir sind so hungrig, müssen aber noch eine Stunde warten bis zum Essen. Dafür schmeckt es dann umso besser.

Wir verbringen einen gemütlichen Abend in der Stube und quatschen noch ein bisschen mit dem Pärchen am Nachbartisch. Sie machen eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad, wohlgemerkt ohne elektrischen Antrieb.

Dann nochmal schnell raus auf die Terrasse und die Abendstimmung einfangen, bevor es früh schlafen geht.


20,8 km

5:30 h

1085 hm

724 hm

1752 m