Ganz entspannt geht es heute gegen 8 Uhr los. Der Himmel ist blau, nur über dem Tal hängt noch eine Wolkendecke. Ich muss ein kurzes Stück auf demselben Weg zurück, den ich hergekommen bin.

Dann nehme ich aber den Abzweig nach Westen. Über einen Wiesenpfad geht es leicht hinauf zum Flarschjoch.

Ich treffe einen Wegebauer, der ehrenamtlich für den DAV unterwegs ist. Er harkt den Schotterweg, damit man den Pfad wieder gut erkennen kann und haut Rinnen hinein, damit das Wasser ablaufen kann. Das habe ich unterwegs jetzt schon öfter gedacht, dass dieses Ehrenamt auch etwas für mich wäre. Da informiere ich mich mal, wenn ich zurück bin.

Der Weg führt mich über steinige Wiesen ein Stück abwärts und an steilen Geröllhängen entlang.

Es wird felsiger und ein paar Stellen sind mit Drahtseilen gesichert. Hier ist Konzentration gefragt, es geht steil runter neben mir.

Oberhalb des Vordersees gehe ich weiter über Wiese und Geröll. Dann geht es steile Kehren hinauf zum Hinterseejoch. Heute geht es immer wieder auf und ab, nicht so viele Höhenmeter an einem Stück. Die kurzen, steilen Aufstiege sind aber nicht weniger anstrengend.

Oben am Joch mache ich Pause und esse was. Mir kommt eine Wandergruppe der DAV Jugend entgegen und ich quatsche ein bisschen mit dem Bergführer. Dann geht es weiter, rutschige Kehren den Schotterhang hinab und über einen sehr schmalen Pfad rüber zur Kridlonscharte. Unter mir liegt jetzt der Hintersee in seinem leuchtenden türkis.

Zur Scharte hoch muss man die Hände zur Hilfe nehmen und die Felsen hinauf klettern. Danach geht es weiter über einen schmalen und teilweise sehr ausgesetzten Pfad am steilen Hang entlang. Der Pfad ist häufig so schmal, dass man nicht mal beide Füße nebeneinander stellen kann. Und auch die Stellen, wo man über Felsen klettern muss, sind nicht so gut gesichert. Links kann man runter ins Tal schauen und die winzigen Häuser, Straßen und Autos erkennen.

Auf der Karte sehe ich schon, dass der Gipfel da vorne fast an meinem Weg liegt. Das sind bestimmt nur ein paar Minuten. Ich kann von weitem schon das Gipfelkreuz erkennen.

Den nehme ich natürlich mit. Über den Grat geht es zu den Felsen und dann mit Drahtseilen als Hilfe hinauf. Allerdings ziemlich langsam. Vor mir ist eine Wandergruppe mit Bergführer, die scheinbar ihre erste Route mit kleiner Klettereinlage gehen. Ich halte ein bisschen Abstand, damit sie sich Zeit lassen können. Der Gipfel ist richtig schön, felsig und schmal. Ich schreibe ins Gipfelbuch und unterhalte mich mit der Gruppe. Sie sind ganz fasziniert, wie unbeschwert ich über die Felsen steige.

Schön, so ein ungeplanter Gipfel. Der Malatschkopf auf 2365 Metern ist das Highlight der heutigen Etappe.

Dann geht es die Wiese runter zum Kaiserjochhaus. Ich werde mit einer La-Ola-Welle begrüßt. Andy, der Bergführer, hat dem Rest der Gruppe erzählt, dass ich schon 69 Tage unterwegs bin. Jetzt werde ich von allen auf der rappelvollen Terrasse neugierig beäugt. Sollen sie doch alle ihren Kuchen weiter essen und mich nicht anstarren wie im Zoo. Ich hole mir nur schnell einen Stempel und gehe weiter.

Es geht nochmal hoch und ich habe einen schönen Blick zurück auf den Malatschkopf. Und gegenüber, auf der anderen Seite des Tals, begleitet mich den ganzen Tag der Blick auf den Hohen Riffler mit seinem Gletscher.

Der zweite ungeplante Gipfel, der am Weg liegt ist der Schindlekopf auf 2471 Meter Höhe. Er ist nur mit 5 Minuten ausgeschildert. Allerdings bin ich mir nicht so ganz sicher, wo tatsächlich der Gipfel ist. Es gibt kein Gipfelkreuz und der Weg hört auf, bevor man am höchsten Punkt ist. Also nehme ich einfach ein paar der vorderen Felsen für das Gipfelfoto. Von der Höhe auf meiner Uhr passt es jedenfalls.

Es geht noch eine ganze Weile weiter auf dem schmalen Pfad am Hang entlang. Der Weg heute ist nicht so schön, wie die Etappen der letzten Tage. Zum Schluss gehe ich über die Wiese in Kehren zur Leutkircher Hütte hinab, wo ich auf 2251 Metern schlafe.

Ich bin gegen 16 Uhr da. Leider gibt es aber bis zum Abendessen nichts mehr zu essen. Es war wohl so viel los heute, dass sie die Küche geschlossen haben, weil nichts mehr da ist. Aber zumindest darf ich dafür von meinem Proviant was essen. Ich habe im Moment ständig Hunger und werde abends kaum satt. Ich habe das schon von vielen Weitwanderern gelesen, habe es bisher aber nicht selbst erlebt. Bis jetzt. Deswegen freue ich mich auch sehr, dass man beim Abendessen einen kostenlosen Nachschlag bekommt, bis man satt ist.

Ich sitze mit den anderen Wanderern auf der Terrasse in der Sonne. Gelia kenne ich schon aus der Ansbacher Hütte und lerne heute noch Sarah und Olli kennen. Es ist ganz lustig mit ihnen. Ich werde fast täglich dieselben Fragen zu meiner Wanderung gefragt, also denken sie sich heute mal neue Fragen aus, die niemand stellt. Und ich bekomme von ihnen einen guten Tipp für eine komplett vegetarische und vegane Hütte im Allgäu, die Hündeleskopfhütte. Muss ich mal testen.

Die Hütte ist nicht so groß und richtig gemütlich. So mag ich das. Beim Essen kommen große Schüsseln auf den Tisch, wo man sich bedienen kann und auch der Hüttenwirt selber wünscht allen einen guten Appetit.

Die anderen gehen nochmal ein Stückchen den Berg hoch, um sich den Sonnenuntergang anzuschauen. Ich lege mich aber lieber schon schlafen.


14,2 km

5:00 h

920 hm

964 hm

2485 m