Das war ja mal eine spannende Anreise und ein interessanter erster Abend…

Gestern ging es mit dem Zug nach Düsseldorf zum Flughafen. Mitten in der Nacht bin ich dort angekommen und mit einem Bus zum Terminal gefahren, da der SkyTrain nachts nicht fährt. Bis 4 Uhr morgens bin ich dann 3 Stunden im Flughafen rumgelaufen und habe um die Zeit rumzubekommen, meinen Rucksack zig mal neu gepackt. Ihr glaubt gar nicht, wie viel Zeit man dabei totschlagen kann, das perfekte „Packschema“ zu finden. Zum Glück konnte ich dann im Flieger doch noch ein bisschen schlafen.

Erster Stopp: Teneriffa

Es ist ziemlich windig, aber warm. Mit dem Bus fahre ich nach Los Cristianos, ich muss irgendwo noch eine Gaskartusche besorgen. In der ersten Ferretería auf meinem Weg gibt es nur Stechkartuschen. Ich gehe trotzdem erstmal weiter zur Strandpromenade, ziehe die Schuhe aus und tausche meine lange Hose gegen eine kurze. Und stelle vor allem meinen schweren Rucksack ab – den soll ich die nächsten Tage schleppen?

Scheinbar biete ich einen außergewöhnlichen Anblick mit meinen Wanderschuhen und dem riesigen Rucksack. Ein älterer Herr spricht mich an und fragt nach meinen Plänen. Dann erzählt er mir seine Lebensgeschichte, er ist vor 25 Jahren von Hamburg nach Teneriffa gezogen. Und er gibt mir den wertvollen Hinweis, dass es 2 Straßen weiter noch eine Ferretería gibt. Super, da schaue ich gleich nach Gaskartuschen. Ein holländisches Pärchen möchte noch wissen, wie schwer mein Rucksack ist und wo ich hin wandere. Dann ziehe ich meine Schuhe wieder an und stapfe los. Der Verkäufer kann auch tatsächlich ein bisschen Englisch und verkauft mir eine Schraubkartusche. Dann fehlt jetzt nur noch die Verpflegung. Im Supermarkt kaufe ich ein und fülle draußen die 5 Liter Wasser um in meine Trinkblasen.

Inzwischen ist es ca. 12 Uhr und ich habe noch ein bisschen Zeit bevor die Fähre nach El Hierro ablegt. Da bietet es sich doch an, ein paar Geocaches zu suchen. Also gehe ich durch enge Gassen und viele Treppen hoch auf den Berg Chayofita. Einen erloschenen Vulkan mit einer mega Aussicht über die Stadt und auf das Meer.

Auf der anderen Seite geht’s wieder runter. Bei der Hitze gönne ich mir noch Eis auf dem Weg zum Hafen. Ich schaue sehnsüchtig auf das Meer. Eine Abkühlung wäre super, es ist richtig warm und ich bin von meiner Mini-Bergtour schon ganz geschwitzt. Aber erstmal checke ich am Hafen ein. Boarding ist um 17 Uhr. Dann habe ich noch eine Stunde Zeit, das reicht für meine Abkühlung. Ich ziehe mich hinter einem Felsen um und hoffe, dass niemand meinen Rucksack klaut. Das Wasser ist herrlich! Und gar nicht so kalt. Nachdem ich mich von der Sonne habe trocknen lassen, bin ich pünktlich zum Boarding wieder am Hafen.

Die Überfahrt dauert 2,5 Stunden. Auf dem Schiff lerne ich Janet kennen. Eine Engländerin, die schon sehr viel gereist ist, oft auch mit Wildcamping. Sie ist sehr interessiert an meiner Tour. Außerdem spreche ich mit einem englischen Wanderer. Er hat ein Hotelzimmer für die erste Nacht und will dann auch wildcampen oder auf dem einzigen Campingplatz der Insel übernachten. Ich bin beruhigt, dass ich nicht die einzige mit so einem Vorhaben bin. Bei dem Wildcampen mache ich mir schon so meine Gedanken, da es offiziell in Spanien verboten ist. Auf El Hierro wird es aber wohl geduldet.

Draußen ist es inzwischen stockdunkel und ich werde etwas nervös. Ich habe keine Ahnung, wo ich die erste Nacht schlafen soll. Ich habe zwar mein Zelt mit, aber das kann ich ja nicht direkt am Hafen aufstellen. Das wäre wie auf dem Präsentierteller. Und zum nächsten Ort geht es ziemlich steil hoch. Ich stelle fest, dass ich echt schlecht vorbereitet bin – aber irgendeine Lösung findet sich immer.

Angekommen auf El Hierro

Nachdem wir angelegt haben und von Board gehen, sehe ich zufällig Janet neben mir. Sie fragt etwas besorgt, ob ich „allright“ bin und bietet mir an, die Freunde ihrer Freundin, die sie hier abholen, um eine Mitfahrgelegenheit für mich zu bitten. Ich überlege kurz und nehme das Angebot dankend an. Wo auch immer ich dann lande… Hauptsache erstmal weg vom Hafen. So groß ist die Insel ja gar nicht und es ist ziemlich egal, wo ich meine Wanderung starte. Einen Plan habe ich ja sowieso nicht.

Das Pärchen, das Janet abholt, spricht kaum Englisch. Sie nehmen mich mit, verstehen aber erst nach einer ganzen Weile, dass ich wildcampe und keinen festen Ort habe, wo sie mich hinbringen sollen. Die Verständigung läuft über Zeichensprache und einem Mix aus Englisch und Spanisch. Sie raten mir von Valverde ab, das wäre die nächste Stadt. Dort wären zu viele Leute und es würde sehr kalt nachts. Auch zum Campingplatz, Camping Hoya del Morcillo, wollen Sie mich nicht bringen. Der Platz liege im Wald, sei sehr einsam und unheimlich. Außerdem liege er nicht auf dem Weg. Aber in La Restinga, wo sie auch Janet hinbringen, könne ich in der Nähe vom Strand schlafen. Das hört sich doch super an! Obwohl ich keine Ahnung habe, wo der Ort liegt, stimme ich zu.

Wir fahren über eine Stunde über ziemlich schmale, steile und kurvige Straßen. Ich sitze mit Janet zusammen hinten in dem VW Bus, wir werden ziemlich durchgeschüttelt und müssen uns gut festhalten. Aber wir unterhalten uns die ganze Fahrt über gut. In La Restinga angekommen, steigen wir aus und unser Fahrer zeigt mir den Weg zum Strand. Janet aber hält mich auf und meint, ich solle erst noch mit reinkommen und eine heiße Suppe essen. Ich möchte keine Umstände machen, aber sie drängt mich, also folge ich ihr in die kleine Wohnung ihrer Freundin. Dort lerne ich Marion und ihre beiden Haustiere, einen Hund und eine Ziege, kennen. Auch sie ist super nett. Sie stellt schnell noch ein Gedeck mehr auf den Tisch für mich und verwöhnt uns dann mit Sellerie-Süßkartoffel-Suppe mit selbstgebackenem Brot. Sehr lecker!

Bei den Gesprächen beim Essen fühle ich mich zwischendurch ein bisschen unwohl. Marion erzählt, dass sie sehr krank sei, ständig Schmerzen habe und Morphium nehme. Sie ist Engländerin und ist vor ein paar Jahren abgehauen aus Ihrem Land, weil ihr dort nicht geholfen würde. Als Nonne verkleidet, hätte sie sich auf die Fähre geschmuggelt und lebt seitdem hier auf El Hierro. Die kleine Ziege hat sie irgendwann draußen auf der Straße gefunden und zieht sie jetzt in ihrer Wohnung mit Milchflasche auf. Beide Frauen sind sehr gläubig und haben einige Probleme in ihrem Leben. Ich halte mich größtenteils raus aus den Gesprächen und bin ganz froh, als Marion mir anbietet, mich zum Strand zu begleiten. Sie könne mir eine kleine Höhle zeigen, wo ich schlafen kann. Wenn diese denn noch frei ist, oft schläft dort wohl auch ein Obdachloser. Na dann – hauptsache ich habe endlich einen Platz zum Schlafen.

Die beiden Frauen verabschieden mich mit einer herzlichen Umarmung und Marion geht mit mir zum Strand und zeigt mir die kleine Felshöhle. Ich bin ein bisschen erstaunt, wie flott sie unterwegs ist, ich habe Mühe mit ihr Schritt zu halten. Sie erzählt mir, dass Sie lange Trail- und Ultraläuferin war.

Endlich ein Schlafplatz

Die Höhle ist zum Glück leer. Ich soll morgen früh gerne zum Tee nochmal vorbeikommen. Und dann bin ich alleine. Erstmal durchatmen. Ich schiebe meine Sachen in die niedrige Höhle. Sie ist gerade hoch genug, dass ich darin sitzen kann. Als ich dann in meinem Schlafsack liege, schaue ich doch noch kurz auf die Karte. Da bin ich wohl ganz im Süden der Insel gelandet.

Ich wache nachts immer wieder auf. Ich habe meine Luftmatratze nicht aufgepustet und der Boden ist hart und unbequem. Außerdem ist es ein seltsames Gefühl, einfach so draußen zu schlafen, ganz alleine. Aber irgendwie bekomme ich die Nacht rum.

Da war ja mal ein abenteuerlicher erster Urlaubstag!