Hallo ihr Lieben,

los geht’s. Endlich ist der Start meiner Wanderung da. Über ein Jahr nach der Idee sitze ich im Zug und freue mich darauf loszugehen. Ich bin ein bisschen aufgeregt und in Abenteuerlaune.

Ich komme mittags mit dem Zug in Westerland auf Sylt an und fahre soweit es geht mit dem Bus Richtung Ellenbogen. Die letzten 3 Kilometer zum nördlichsten Punkt Deutschlands sind dann ein erster Vorgeschmack auf die nächsten 3 Monate. Voll beladen, mit großem Rucksack, Zelt und Kocher. Mein Ziel ist es, möglichst wenig für Übernachtungen auszugeben, möglichst viel draußen zu schlafen (mit oder ohne Zelt) und selbst zu kochen.

Das ist er, der nördlichste Punkt Deutschlands. Der Start meiner Reise. Es ist schon ein besonderer Moment. Ich starte hier die Aufzeichnung der Route mit meiner Uhr, es fühlt sich an wie der Startschuss bei einer Laufveranstaltung. Nur dass das Ende noch lange nicht in Sicht ist und es noch so unwirklich erscheint, jetzt so lange unterwegs zu sein.

Ich habe den ersten Kilometer die ganze Zeit ein breites Lächeln im Gesicht. Das Laufen fühlt sich richtig gut an, ich bin frei und glücklich. Es geht erst eine Weile am Strand entlang, direkt am Wasser, dann durch die Dünen. Sogar die Sonne zeigt sich wieder. Einfach perfekt. Die Zugfahrt über war es nur bewölkt.

Teile des Weges kenne ich schon vom Syltlauf im März, jetzt habe ich aber mehr Zeit und Ruhe die Landschaft, Dünen, Wattenmeer und die Reetdachhäuser genauer zu betrachten.

Zwischendurch ziehe ich meine Schuhe aus und gehe barfuß weiter. Mit dem Gewicht des Rucksacks komme ich gut klar. Der Himmel ist inzwischen blau, die Wolken haben sich verzogen. Es ist zwar ziemlich warm, aber durch den Wind sehr angenehm zu gehen.

Dann muss ich aber doch einen Zahn zulegen, da die Rezeption am Campingplatz in Wenningstedt nur bis 19 Uhr geöffnet hat. Im Nachhinein hätte ich den ersten Tag entspannter planen sollen. Aber so lernt man dazu. Die letzte Stunde Gehen ist ziemlich schmerzhaft, ich habe unter beiden Füßen eine riesige Blase und will keinen einzigen Schritt mehr gehen. Ich habe die ganze Zeit nur im Kopf, dass ich bis 19 Uhr ankommen muss. Daher gehe ich auch die 16 Kilometer ohne Pause.

Da auf der Internetseite des Campingplatzes schon steht, dass man 30 Euro zahlen muss, wenn man später einchecken möchte, habe ich kein gutes Gefühl, dass sie sehr tolerant sind, wenn man zu spät kommt. Ich beiße die Zähne zusammen und bin tatsächlich um 18:56 Uhr da. Juchhu, jetzt kann mir auch der miesepetrige Empfang und deutliche Blick zur Uhr nichts mehr anhaben. Hauptsache ich habe einen Platz zum Schlafen.

Also Schuhe aus und erstmal auf dem Gras ausstrecken. Meine Füße tun so weh, dass ich mich gar nicht richtig freuen kann. Ich baue mein Zelt auf und koche. Es gibt zwar eine Küche und einen Aufenthaltsraum, aber es kann mich in diesem Moment nichts dazu bewegen, aufzustehen und bis zum anderen Ende des Campingplatzes zu gehen dafür.

Das Essen tut gut und gibt mir neue Kraft. Es gibt eine meiner neuen Lieblingsspeisen, rote Linsen mit Brokkoli und meiner Spezial-Gewürzmischung. Schnell zubereitet, einfach und lecker. Plötzlich ist mein Lächeln wieder da und ich fühle mich angekommen. Zum Glück, es ist nämlich so schön hier.

Ich brauche zwar gefühlt 10 Minuten, um ein paar Schritte zu humpeln, aber ich gehe noch spülen und zum Strand. So genieße ich meinen ersten Abend im Sand sitzend und schaue mir den wunderschönen Sonnenuntergang an. Als ich danach schlafen gehe, habe ich das Gefühl, dass es hier ewig hell ist. Mitsommer war ja auch erst letzte Woche.

Trotz Fußschmerzen und ein bisschen Zeitdruck war es ein superschöner erster Tag und Start. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Tage.


16,5 km

3:15 h

31 hm

12 hm

28 m