Als ich aufwache, schaue ich als Erstes aus dem kleinen Fenster. Und ich sehe blauen Himmel und Berge – mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen! Es ist allerschönstes Wetter. Mit einem Lächeln drehe ich mich nochmal um und döse weiter bis die ersten um kurz vor 7 Uhr aufstehen.

Ist es nicht traumhaft schön über den Wolken?

Also eben Sachen zusammenpacken und los geht’s.

Ich muss zwar einen kleinen Umweg gehen, da der Weg bis zur Seealpe gesperrt ist, aber bei dem schönen Wetter macht das auch nichts. Vor allem ist das heute die letzte lange Etappe, mich kann sowieso jetzt nichts mehr aufhalten. Ich habe gestern auf der Hütte nochmal nachgefragt, die beste Möglichkeit für den Abstieg ist der Oytal Gleitweg. Dann muss ich zwar komplett durch das Oytal bis nach Oberstdorf und dann rüber ins Stillachtal und das auch bis zum Ende laufen. Aber das ist die einzige Möglichkeit, da ich ja weiterhin nicht über Österreich gehen möchte.

Am Skilift neben der Hütte ist allerdings eine große Baustelle und das erste Stück des Weges zum Seealpsee ist auch gesperrt. Aber es sind ja noch keine Leute unterwegs. Ich frage einen Bauarbeiter, ob gerade irgendwas gefährliches passiert und er lässt mich zum Glück eben durch die Absperrung.

Das erste Stück bis auf den Zeigersattel folge ich einem breiten Schotterweg. Hier kommt auch die Sonne schon hin, herrlich.

Weiter geht es dann auf einem schmalen Pfad hinab. Von oben habe ich einen schönen Blick auf den Seealpsee mit der Spiegelung des Seeköpfle und der Wolkendecke über dem Tal.

Ich komme dem Nebel immer näher. Am liebsten würde ich gar nicht absteigen, sondern direkt hier oben bleiben.

Der Weg wird felsiger mit teilweise hohen Stufen und Seilsicherungen. Hier muss man schon gut aufpassen, dass man nicht abrutscht, rechts vom Weg geht es direkt steil hinunter. Zwischendurch setze ich mich lieber hin um große Stufen zu überwinden. Dann geht es in den Wald und damit auch in den Nebel.

Mir kommen ein paar Leute entgegen, die sich schon auf die Sonne freuen. Sie haben dann heute vom Nebelhorn auch einen schönen Ausblick.

Inzwischen sehe ich nicht mehr viel.

Der schmale Weg führt weiter in Kehren den Berg hinab. Durch den Wald und dann weiter über Wiesen und ein kleines Geröllfeld. Bis ich unter den Wolken bin und einen schönen Blick ins Oytal habe.

Da unten ist schon das Oytal-Haus in Sicht. Es wäre ja schon verlockend mit dem Oytal-Roller zu fahren, die kann man sich dort leihen und in Oberstdorf dann wieder abgeben. Aber ich gehe schön zu Fuß weiter.

Die meisten Höhenmeter habe ich geschafft für heute. Als ich am Oytal-Haus vorbei bin, kommen mir viele Spaziergänger entgegen. Und da letztes Wochenende schon Viehscheid war, sind auch die Kühe jetzt alle hier unten auf den Weiden.

Der Oybach ist komplett ausgetrocknet, erst an der Trettach kann ich am Wasser entlang gehen. Um nicht ganz bis nach Oberstdorf rein gehen zu müssen, kürze ich dann ein Stückchen ab und gehe am Moorschwimmbad vorbei. Inzwischen haben sich die meisten Wolken verzogen und die Sonne scheint auch hier unten. Auf einer Bank mit schönem Blick auf die Berge mache ich Pause und lege mich ein bisschen in die Sonne.

2 ältere Damen, die hier Urlaub machen, sprechen mich an. Früher sind sie auch schon mal den ganzen Weg bis nach Einödsbach gelaufen, heute machen sie nur noch kurze Touren.

Dann geht es die steile Straße bis zur Loretto Kapelle hinab und am Renksteg vorbei. Bisher bin ich hier immer nur abgebogen zum Freibergsee. Heute geht es aber ab hier immer geradeaus, an der Stillach entlang, bis zum Ende des Stillachtals. Das südlichste ganzjährig bewohnte Tal Deutschlands.

Der Weg zieht sich tatsächlich sehr, aber ich habe noch genug Zeit und trödele so vor mich hin. Zwischendurch geht es ein Stück an der Straße entlang, immer auf dem breiten Schotterweg neben der Stillach. Nach dem Parkplatz der Fellhornbahn beginnt dann das autofreie Tal. Hier darf man nur noch mit Sondergenehmigung fahren. Allerdings überholen mich dafür eine ganze Menge Autos. Vielleicht Leute, die in Birgsau im Hotel schlafen.

Ab hier ist es auch richtig voll mit Spaziergängern. Es gibt ein paar Einkehrmöglichkeiten und am Ende des Tals bringt einen der Bus wieder zurück.

Ich komme am frühen Nachmittag am Berggasthof Einödstal an, hier werde ich heute schlafen. Auf der Terrasse tummeln sich noch die Tagesbesucher und sitzen bei Kuchen in der Sonne.

Ich will mich gerade auf die Wiese legen, da sehe ich ein bekanntes Gesicht. Das gibt’s doch nicht, ich glaube, Helga und Holger verfolgen mich 😉 Also setze ich mich zu ihnen bis sie wieder loswollen. Schön, dass ich so gestern und heute ein bisschen Gesellschaft hatte.

Als dann die Sonne verschwindet, kühlt es schnell ziemlich ab und es wird leer. Ich liege erst noch auf der Wiese und lese, dann verziehe ich mich auch in die warme Stube.

Ich kann gar nicht glauben, dass ich jetzt nur noch 2 Etappen vor mir habe. Ich freue mich, aber es ist auch irgendwie ein komisches Gefühl.


21,9 km

5:05 h

388 hm

1187 hm

1930 m