Weil es so schön ist – hier noch ein Foto vom Schlafplatz letzte Nacht. Hier gibt es echt traumhafte Plätze.

Heute soll es noch wärmer werden und der Wetterbericht verspricht einen wolkenlosen Himmel. Gefährliches Sonnenbrand-Wetter, wenn es dazu immer noch ein bisschen windig ist. Da meine Waden von gestern schon leicht rot sind, ziehe ich lieber gleich meine lange Hose an. Und meine Ohren schütze ich, indem ich mein Halstuch unter die Kappe klemme. Hier interessiert sowieso niemanden, wie man aussieht. Dazu noch die Handschuhe, die ziehe ich den ganzen Tag nicht aus im Moment. Das funktioniert auch gut, meine Hände jucken nicht, solange keine Sonne dran kommt.

Es geht hinunter, wieder hinauf, hinunter und eine ganze Weile am riesigen See Mår entlang, bis nach Mårbu. Der nächsten geschlossenen DNT Hütte. Die Hütten, wo wir vorbeikommen sind echt groß. Ich mag lieber kleine, gemütliche Hütten. Aber da das Wetter so gut ist, ist es auch gar nicht schlimm, dass sie alle geschlossen sind.

Der See hat einen ziemlich niedrigen Wasserstand. Das ist irgendwie ganz lustig, so ein krasser Gegensatz. Wahrscheinlich weil das Frühjahr so trocken war, haben die Seen echt wenig Wasser. Und auch oberhalb der Schneefelder ist der Boden richtig ausgetrocknet. Trotzdem laufen wir kilometerlang nur durch Sumpf, weil dort der Schnee gerade geschmolzen ist.

Wobei das heute schon Luxus-Wandern ist. Es gibt viele steinige Wege mit festem Boden. So macht das Spaß und man kommt gut vorwärts. Wären da nicht die ganzen Bäche und Flüsse…

Hier gibt es eine schöne, neue Brücke.

Hier gibt es aber dann schon ein bisschen Nervenkitzel. Im Endeffekt kommen wir trockenen Fußes über die Steine rüber. Allerdings muss man teilweise ziemlich große Schritte machen und das Wasser tost drum herum. Direkt oberhalb ist ein breiter Wasserfall. An solchen Stellen ist es schon echt praktisch, zu zweit zu sein. Dann kann man sich gegenseitig ein bisschen helfen. Beim letzten Schritt nehme ich auch dankbar Markus’ Hand, da ich mich nicht so recht traue.

Im Gegensatz zu den rauen Seen, die wir an den windigen und ungemütlichen Tagen in der Austheiane hatten, ist der See heute spiegelglatt. Und darüber ganz viel blaue Luft. Das kommt dabei heraus, wenn anderssprachige Leute Deutsch sprechen. Els hatte das einen Tag gesagt und seitdem heißt es bei uns nicht mehr blauer Himmel, sondern blaue Luft.

Die Norweger haben übrigens einen Preis für ihre Steinmännchen verdient, finde ich. Viele sind viel kreativer und aufwendiger aufgetürmt als bei uns in den Alpen.

Mittagspause machen wir an der Mårbu Hütte, wo der Wegweiser mit einem Rentier-Geweih geschmückt ist.

Tja und das ist dann meine erste Sommerbrücke. Die noch nicht aufgebaut ist. Zum Glück ist der Fluss darunter relativ ruhig, die Strömung ist nicht so stark. Hier stehen wir schon sicher auf der anderen Seite. Das reicht dann jetzt aber auch für den Anfang mit Furten heute.

Durch ganz viele verteilte Felsbrocken – das waren bestimmt die Trolle – geht es wieder ein Stück hinauf. Bis zum nächsten Traum-Zeltplatz.

Heute gibt es bei mir wieder eine meiner selbstgedörrten Mahlzeiten, Kartoffelpürree mit Sauerkraut und Kidneybohnen. Mein neues Lieblingsgericht. Ich hoffe, dass ich davon ganz viele Tüten gemacht habe und in jedem Versorgungspaket welche finde. Inzwischen ist mein Hunger auch so groß, dass ich mittags und abends jeweils eine ganze Mahlzeit esse und dazwischen noch eine ganze Tüte voller Nüsse, Rosinen, Datteln und getrockneten Äpfeln. Das sind dann ca. 3.000 Kilokalorien jeden Tag. Weniger als ich verbrenne, aber genug, um satt zu werden. Noch jedenfalls.


20,9 km
5:40 h
439 hm
488 hm
1.326 m