Heute morgen werden wir vom Krähen des Hahns und von den Kuhglocken geweckt. Um 4 Uhr fängt hier auf der Alm der Arbeitstag mit dem Melken an. Wir können aber noch ein bisschen liegen bleiben, wir brauchen erst gegen 7 Uhr losgehen. Unsere Wege trennen sich allerdings direkt. Ich hatte erst gedacht, dass Margit noch über die Anhalter Hütte bis zum Hahntennjoch mitgehen kann und von dort den Bus nach Imst nimmt. Von da fährt sie heute Mittag mit dem Zug zurück nach Hause. Das wäre allerdings schon etwas stressig, weil wir um kurz vor 12 Uhr den Bus bekommen müssten und bis dahin sind es wieder jeweils ca. 900 Höhenmeter hoch und runter. Das möchte sich Margit nicht antun, vor allem nach dem langen Tag gestern. Das kann ich verstehen. Also geht sie durch das Tegestal die Schotterstraße wieder zurück bis nach Nassereith und nimmt von da den Bus. Das sind laut Schild nur 3 Stunden und ist entspannter. Wir verabschieden uns und dann gehe ich alleine weiter. Schön, dass Du dabei warst!

Es ist grau und regnet, mal wieder. Mein Weg führt mich über die Schafweide den Schotterweg hinauf. Mir kommt eine ganze Herde Schafe entgegen, ein Stück vor mir drehen sie aber um und laufen vor mir her. So fühlt sich also der Schäfer, wenn er die Schafe vor sich her treibt. Irgendwann biegen sie dann auf die Wiese ab. Und auch der Schotterweg endet und ich gehe auf einem Pfad über die matschige Wiese weiter.

Schade, dass ich so wenig sehen kann. Links von mir ragen die steilen Felswände der Heiterwand auf. Ich kann aber nur zwischendurch mal einen Blick darauf erhaschen.

Ich gehe immer weiter aufwärts. Der Weg ist steil, lehmig und ziemlich rutschig durch den Regen. Und je höher ich komme, desto eisiger wird der Wind. Meine Füße sind schon wieder klitschnass und ich träume beim Gehen von einer heißen Schokolade auf der Anhalter Hütte. Die liegt etwas weiter auf meinem Weg und hat übrigens nach dem Umbau jetzt auch wieder geöffnet.

Zuerst muss ich aber noch rauf auf das Hinterbergjoch. Hier oben endet auch erst die Schafweide, zwischendurch werde ich immer noch vom „Mäh“ irgendwo aus dem Nebel begleitet.

Ich gehe an den Felszacken vorbei und dann geht es in steilen Kehren über die Wiese abwärts. Der Pfad hat sich teilweise in einen Bach verwandelt.

Über den Kromsattel geht es weiter hinab bis zur Anhalter Hütte. Das letzte Stück ist nochmal richtig sumpfig. Ich bin schon vor 10 Uhr an der Hütte, die letzten Übernachtungsgäste machen sich jetzt erst auf den Weg. Ich treffe 2 Frauen wieder, die im Hotel am Fernsteinsee am Nachbartisch saßen. Sie fragen mich, ob ich auch auf allen vieren zum Hinterbergjoch hoch bin, so schlimm fand ich es aber dann doch nicht. Ich ziehe mich im Trockenraum um und hoffe, dass meine Sachen während ich Pause mache schon etwas trocknen. Allerdings habe ich trotz Handschuhen so kalte Finger, dass ich den Doppelknoten an meinen Schuhen nicht aufbekomme. Also wärme ich meine Hände erstmal ein bisschen an den Stäben der Schuhheizung.

In der Stube ist es schön warm, der Kachelofen ist schon an. Ich bin noch der einzige Gast um diese Uhrzeit, aber wenn ich ein bisschen warte, bekomme ich auch schon eine Suppe. Die Hütte ist nach dem Umbau echt schön. In der Stube gibt es noch ein paar alte Holzelemente, gemischt mit dem neuen Holz. Ich quatsche ein bisschen mit Sebastian, dem Hüttenwirt. Er lädt mich zu Kakao und Suppe ein, er meint, dann komme ich heute günstiger durch den Tag. Super lieb! Als dann 1,5 Stunden später eine große Gruppe ankommt, mache ich mich wieder auf den Weg. Die Schuhe sind zwar nicht viel trockener, aber zumindest habe ich jetzt warme Socken und Handschuhe von der Heizung.

Nun steht ein weiterer Anstieg zum Steinjoch an. Als ich losgehe ist es noch trocken, fängt aber bald wieder an zu regnen. Es geht über ein großes Geröllfeld. Gut, dass der Weg so gut markiert ist, sonst hätte man hier kaum Orientierung im Nebel. Der Pfad ist bei gutem Wetter wahrscheinlich schon schwer zu erkennen.

Hier nochmal der Blick zurück zur Anhalter Hütte.

Noch etwas weiter oben habe ich einen schönen Blick über die Wildwiese ins nächste Tal.

Ich folge dem schmalen Pfad über die Wiese aufwärts. Dann wird es felsiger. Das letzte Stück bis zum Steinjoch ist ein Luxus-Wanderweg. In den Fels wurden breite Stufen gebaut, mit Geländer aus Drahtseilen zum Abhang hin. Und oben steht sogar ein Kreuz.

Passend als ich oben ankomme, hört es auf zu regnen und die Sonnen kommt raus. Wie schön, dann kann ich auch die Bergkette gegenüber sehen. Und da unten die Passstraße über das Hahntennjoch.

Bis zur Straße geht es abwärts, erst über einen steinigen Weg, über Wiese und dann durch den Wald. Etwas neben der Straße führt ein Pfad über die Kuhweiden. Und ein Stück weiter merkt man gar nicht mehr, dass man eigentlich neben der Passstraße her läuft, da der Hahntennbach so laut rauscht und die Bäume den Blick verdecken.

Dann muss ich doch ein Stück direkt an der Straße gehen, der Wiesenstreifen daneben ist aber breit genug.

In Pfaffler geht es weg von der Straße und an ein paar Häusern und Höfen vorbei weiter runter bis nach Boden. Dieser winzige Ort hat ganze 30 Einwohner, eine Kirche und ein Gasthaus.

Ich gehe an dem Wander-Parkplatz vorbei und hinein ins Angerletal. Kurze Pause, hier habe ich zumindest ein wenig Empfang zum Telefonieren, nur kein Internet. Dann geht es die Schotterstraße am Angerlebach entlang das Tal hinauf.

Da hinten auf dem Hügel kann ich schon die Hütte sehen. 1,5 Stunden brauche ich aber noch etwa.

Bis zum Beginn der Materialseilbahn folge ich weiter der Schotterstraße. Dann wird der Weg schmaler und führt durch Latschen die letzten Höhenmeter steil hinauf.

Kurz bevor ich da bin, fängt es wieder an zu regnen. Jetzt brauche ich die Regenjacke aber auch nicht mehr überziehen, die letzten Kehren sind schnell geschafft. Mein Ziel ist die Hanauer Hütte auf 1922 Metern.

Hier treffe ich ein paar bekannte Gesichter wieder. Ich sitze auf meinem Bett im Lager und übertrage die Fotos von der Kamera auf mein Handy, als die Tür aufgeht und Henk herein kommt. Der Belgier, den ich jetzt ja schon 2 mal getroffen habe. Kurze Zeit später geht die Tür wieder auf, jetzt ist es Dominik. Lustig! Er hat mich auf der Hackel-Hütte ja schon eingeholt, musste dann 2 Wochen arbeiten, ist in Kufstein wieder eingestiegen und hat mich jetzt wieder eingeholt. Wir scherzen herum, dass er den Nordalpenweg eigentlich nur läuft, um mich zu überholen. Aber bei seinem Wanderstil mit knapp 50 Kilometern pro Tag ist das ja nicht schwer.

Wir sitzen zusammen in der Stube, essen und quatschen viel über Ausrüstung und andere Touren. Zur Abwechslung gibt es heute statt Kaspressknödel mal Käsespätzle. Vegetarier, die keinen Käse mögen, haben auf den Hütten echt ein Problem. Und Vegan kann man sowieso vergessen. Das gab es nur am Anfang meiner Wanderung auf ein paar Hütten.


20,4 km

6:30 h

1487 hm

1119 hm

2211 m