Ich gehe übrigens jetzt schon seit ein paar Tagen durch die Lechtaler Alpen. Und seit der Anhalter Hütte auf dem Lechtaler Höhenweg, der dem Hauptkamm der Lechtaler Alpen folgt. Ich muss jetzt, glaube ich, nur noch 2 mal durch einen Ort im Tal und freue mich riesig, dass ich so lange am Stück oben in den Bergen bin. Bis Ende nächster Woche schlafe ich nur auf Berghütten und bin fast immer über 2000 Meter.

Heute schlafe ich recht lange. Obwohl ich gestern um kurz nach 8 Uhr im Bett lag, schlafe ich bis 7 Uhr. Meine Erkältung ist auch wieder schlimmer geworden. Der Husten ist so gut wie weg, aber dafür bin ich jetzt ziemlich verschnupft und meine Nase ist ständig zu. Und meine Beine verlangen bald mal wieder einen Tag Pause zum Ausruhen. Ich liege noch ein bisschen im Bett und schreibe und gehe erst um 9 Uhr los.

Ich freue mich schon, dass es trocken ist, aber als ich dann meine Schuhe angezogen habe, fängt es doch wieder an zu regnen. Also ziehe ich die Regenjacke über und stapfe los Richtung Dremelscharte. Ich gehe über die Westliche bzw. Vordere Dremelscharte. Der Weg führt erst noch durch Latschen, dann über die steinige Wiese. Ich muss mich erstmal langsam warm laufen, meine Beine sind etwas schwer.

Da oben links geht es durch.

Zurück sieht man in ganz klein noch die Hanauer Hütte.

Der Weg wird steiniger und felsiger, bis es nur noch grau ist. Dafür hört es aber auf zu regnen und hinter der Dremelspitze taucht tatsächlich die Sonne auf. Endlich mal wieder ein bisschen blauer Himmel. Von weitem kann ich mir noch gar nicht vorstellen, wo der Weg herführen soll. Auf dem Geröllfeld sehe ich keine Spur und ansonsten sieht es ziemlich steil aus. Das kommt auf den Fotos gar nicht so rüber.

Zwischen den Felsblöcken schlängelt sich aber doch ein recht einfacher Weg hindurch. Man braucht nur zwischendurch mal die Hände zur Hilfe.

Vorbei an einem großen Schneefeld geht es immer weiter hoch. Die Felsen da hinten sehen aus, als hätte sie jemand mit Absicht der Größe nach gestapelt.

Zwischen Dremelspitze und Schneekarlespitz geht es durch die Scharte und plötzlich habe ich diesen Ausblick.

Unter mir liegt der Steinsee, zu dem es jetzt hinunter geht. Das erste Stück mit Seilsicherung, ziemlich steil die Felsen hinab. Weiter dann in Kehren über Schotter und Wiese.

Am See mache ich erstmal ein bisschen Pause. Ich esse ein paar Nüsse, Datteln und Rosinen und genieße die Sonne. Es gab ja auch genug Regen die letzten Tage. Ich gehe bis zu den Oberschenkeln in den See, das reicht mir für heute.

Nicht viel weiter liegt die Steinseehütte. Über Wiese, mit Blick auf die steilen Felswände und das Klettergebiet, geht es bis dahin weiter runter. Noch ein paar steile Kehren, dann ist die Hütte erreicht. Ich will mir eigentlich nur kurz einen Stempel holen, trinke aber dann doch noch einen Hollersaft. Auf der Terrasse sitzen auch die beiden Männer, die mit uns auf der Tarrentonalm geschlafen haben. Wir quatschen noch ein bisschen, bevor die beiden absteigen und ich mich auf den Weg zur nächsten Scharte für heute mache.

Es geht erst noch ein kleines Stückchen runter, dann wieder hoch. Leicht ansteigend und mit super schöner Sicht gehe ich am Mittelkopf vorbei.

Hier oben leben ein paar Pferde, die sich gar nicht stören lassen von mir. So weit oben bin ich bisher noch keinen Pferden begegnet, ich bin schon wieder fast auf 2300 Meter Höhe.

Der Weg führt am steilen Hang entlang. Mir kommen 2 Wanderer entgegen, ansonsten ist dieser Abschnitt recht leer. Von der Steinseehütte sind die meisten abgestiegen oder weiter in die andere Richtung gegangen. Zur Scharte hoch wird es dann wieder felsig und steil.

Oben mache ich kurz Pause, dann geht es mit ein paar Seilsicherungen wieder runter.

Rechts kann man den Pfad weiter zur Roßkarscharte erkennen. Es ist so eine schöne Etappe heute!


Nochmal kurz ein Blick zurück und dann geht es wieder steil hoch zur Scharte. Zwischen großen Felsblöcken hindurch und mit ein bisschen Kletterei.

Das war aber noch gar nichts gegen den Abstieg nach der Scharte. Das ist die schwierigste Stelle heute. Als ich oben ankomme, haben sich Markus und Finn gerade an den Abstieg gemacht. Ich warte noch ein bisschen oben, um keinen Steinschlag auszulösen, der die beiden treffen könnte. Dann kann ich auch kurz nochmal durchatmen. Bei dem Blick auf die steile Rinne nach unten wird einem schon ein bisschen anders. Auf beiden Seiten sind Seile angebracht, zwischen den Felsen liegt aber viel Schotter. Das ist immer blöd bei so einem steilen Abstieg, weil man schnell wegrutschen kann. Langsam und konzentriert, ein Tritt nach dem nächsten, geht es runter. Dabei immer schön die Hände am Seil. Manche Schritte kosten echt Überwindung. Man muss rüber auf die andere Seite wechseln, an das Drahtseil. Um die Ecke und weiter immer dicht am steilen Fels entlang. Auf der anderen Seite geht es steil hinab. Der letzte Teil ist dann nochmal besonderer Nervenkitzel, so eine Stelle hatte ich noch nie. Vor mir liegt eine richtig steile Schotterpiste, darauf liegt ein Seil, es sind bestimmt 30 Meter. Es fühlt sich an wie Abseilen, rückwärts steigt man über die vielen losen Steine hinab und muss sich dabei am Seil festklammern. Ohne das Seil wäre man hier verloren. An normales Gehen ist nicht zu denken bei der Neigung. Ich bin ganz froh, dass ich hier nicht komplett alleine bin, sondern zumindest noch andere in der Nähe sind.

Als die Stelle geschafft ist, geht es noch zig Kehren über ein Geröllfeld, das Roßkar, weiter hinunter. Auch nicht das schönste Gehen, aber im Gegensatz zu gerade sehr viel entspannter. Erstmal durchatmen. Unten hole ich dann auch Markus und Finn ein, die hier Pause machen. Wir quatschen ein bisschen. Sie machen eine Vater-Sohn-Hüttentour und wir stellen fest, dass wir uns die nächsten Abende immer wieder auf den Hütten begegnen werden.

Ich gehe weiter und folge dem Pfad um die Roßköpfe herum, wieder rechts am Hang entlang. Ohne viel Höhenunterschied geht es über den Steinigen Boden.

Dann folgt der letzte steile Aufstieg für heute. Ein ganz schönes Auf und Ab. Über enge und steile Kehren geht es die Wiese hoch zum Gebäudjoch.

Als ich oben zwischen den zackigen Felsen stehe, kann ich dann auch endlich mein Ziel sehen. Noch halb versteckt hinter den Felsen sieht man das Württemberger Haus und die Alpenvereins-Fahnen.

Das ist die letzte Scharte für heute.

Der ausgesetzte Abstieg erfordert aber nochmal volle Konzentration. Am Seil entlang geht es zwischen den felsigen Zacken hindurch. Zwischendurch muss man einen großen Schritt über den Abgrund machen.

Über Geröll und später in Kehren über die Wiese geht es jetzt nur noch hinab. An dem See Auf der Lacke vorbei.

Noch ein Blick ins Tal und dann liegt die Hütte genau unter mir. Von oben kann man schon die ganzen kleinen Menschen auf der Terrasse erkennen.

Hier schlafe ich heute, im Württemberger Haus auf 2220 Metern. Es ist ziemlich voll und geht total chaotisch zu. Ich setze mich zu Henk auf die Terrasse und freue mich über den schönen Tag. Diese Etappe war eine der schönsten auf meiner Wanderung. Anspruchsvoll, abwechslungsreich und wunderschön! Das Wetter passt natürlich auch super heute.

Zum Abendessen gibt es für alle ein 3-Gänge-Menü. Man wird einem Tisch zugeordnet und um halb 7 gibt es dann Essen. Ich sitze mit Henk, einem jungen holländischen Pärchen und einem Ehepaar aus Ravensburg zusammen. Es ist nett, allerdings bin ich total müde und hätte heute lieber ein bisschen Zeit für mich. Also verziehe ich mich nach dem Essen recht schnell. Draußen beobachten ein paar Leute die Steinböcke. Heute ist auch eine Gruppe Jäger hier, ich bin aber froh, als sie mit leeren Händen wieder zurück kommen. Dieses Jahr darf wohl jeder von ihnen 2 Steinböcke schießen.

Das Lager ist voll belegt und dementsprechend laut ist es. Ich schreibe noch ein bisschen und schlafe dann aber trotzdem ziemlich schnell ein.


11,6 km

5:45 h

1210 hm

871 hm

2475 m