Da ich ja heute Abend wahrscheinlich draußen schlafe, lasse ich mir morgens Zeit. Dann komme ich nicht so früh an. Es sei denn, die Ravensburger Hütte hat doch spontan noch einen Platz frei – dann nehme ich den. Als ich reservieren wollte, war aber alles belegt. Also schauen wir mal.

Obwohl ich lange liegen bleibe und in Ruhe meine Sachen packe, bin ich um kurz vor 8 Uhr startklar. Es ist Traumwetter, blauer Himmel, Sonnenschein und ein bisschen Wind zur Abkühlung.

Über Wiesen und Kuhweiden steige ich ab ins Pazieltal. Heute ist der Weg einfach und entspannt zu gehen. Eine schöne Abwechslung.

Ich verlasse Tirol und wandere nun nur noch durch das westlichste Bundesland, Vorarlberg.

Ich bin in Jacke losgegangen, es ist aber selbst beim Abstieg durch den Schatten schnell zu warm. Über mir strahlt die Sonne neben der Stuttgarter Hütte.

Unten im Tal geht es über den Pazielbach und auf der Schotterstraße weiter. Da habe ich meinen schnöden Weg, den ich mir gestern gewünscht habe. Und ich genieße es, beim Laufen vor mich hinzuträumen und in der Landschaft herumzugucken, statt bei jedem Schritt darauf zu achten, wo ich meinen Fuß hinsetze. Jetzt gerade ist das perfekt.

In Serpentinen geht es die Straße hinab nach Zürs. Ein winziger Wintersport-Ort. Im Sommer ist hier nichts los und es sieht aus, als hätten die ganzen Hotels im Moment geschlossen.

Da der Empfang hier super ist, setze ich mich auf eine Bank und schreibe noch den Bericht von gestern. Ich sitze wahrscheinlich über eine Stunde da. Nach und nach überholen mich die anderen Gäste aus der Stuttgarter Hütte. Die meisten wollen zu ihrem Auto, welches sie unten in Zürs geparkt haben. Ein Mann fragt mich, wo es hin geht und ob ich die bin, die schon 70 Tage unterwegs ist. Er meint, das hätte sich beim Frühstück herum gesprochen in der Hütte, da wäre ich jetzt bekannt.

Unten im Ort gehe ich ein kleines Stück an der Straße Richtung Flexenpass. Schnell zweigt der Wanderweg aber wieder ab auf die Wiese. Jetzt geht es auf der anderen Seite des Tals hinauf. Von den Lechtaler Alpen rüber ins Lechquellen-Gebirge.

Der Anstieg ist ganz schön schweißtreibend bei dem Wetter. Es geht in Kehren die Wiese hinauf und etwas weniger steil weiter bis zum Zürser See. Wenn man sich die Baustellen drumherum und den Lärm weg denkt, ist es auch ganz nett.

Hier wollte ich eigentlich nochmal Pause machen, aber das schenke ich mir. Ich gehe lieber direkt weiter und weg von der Baustelle. Allerdings wird die Seilbahn hoch zum Madlochjoch erneuert, genau da muss ich hoch. Schon von weitem sehe ich den Kran oben stehen und mehrere Bagger auf dem Weg. Der Wanderweg wurde ein bisschen verlegt. Nach der Ebene sehe ich aber keine Markierung mehr, also gehe ich die breite Spur von den Baustellen-Fahrzeugen hoch. Ich gehe in Kehren, weil es sonst viel zu steil und anstrengend ist. Die Bauarbeiter lachen mich an – oder aus, wer weiß.

Oben angekommen stehe ich zwischen Baucontainern und Baggern und weiß nicht wohin. Ein Bauarbeiter schickt mich um die Ecke und da ist der Weg dann wieder. Endlich kann ich die Baustelle hinter mir lassen. Der Weg war nicht so schön.

Den Anstieg habe ich geschafft, jetzt geht es über Steine und dann Wiese nur noch hinab.

Bald kann ich den Spullersee sehen. Ein Stück davor liegt die Ravensburger Hütte. Wenn ich dort nicht bleiben kann, gehe ich weiter zum See und suche mir dort ein windgeschütztes Plätzchen zum Schlafen. Ich hatte extra schon nachgeschaut, hier ist kein Naturschutzgebiet. Es sind nur ab morgen früh um 6 Uhr Gewitter angesagt, aber dann stehe ich eben früh auf und suche mir einen geschützten Platz.

In Kehren geht es die Wiese hinab und an ein paar Eseln vorbei. Der Weg führt mich sowieso direkt an der Ravensburger Hütte vorbei. Also trinke ich was und frage nach, ob zufällig noch ein Schlafplatz frei ist. Und tatsächlich, ich kann bleiben. Der Hüttenwirt meint zwar, dass sie eigentlich niemanden nehmen dürfen ohne Reservierung, aber er ist ganz entspannt.

Also beziehe ich mein Bett im Lager und schlafe heute in der Ravensburger Hütte auf 1948 Metern. Zusammen mit einer Familie mit 3 Kindern und 3 Stuttgartern. Beim Essen sitze ich zwar alleine am Tisch, man bekommt eine Tischnummer zugewiesen. Das macht mir aber heute gar nichts, ich bin müde und möchte nur noch essen und dann schlafen.


13,8 km

4:10 h

886 hm

1137 hm

2434 m