Schon als ich morgens aufwache, höre ich den Regen gegen das Fenster prasseln. So hatte ich mir den Tag heute nicht vorgestellt. Ich möchte doch gerne noch auf einen Gipfel und zwar auf die Hochkünzelspitze.

Ich lasse mir Zeit und gehe dann runter in die Gaststube. Da ich ja nie frühstücke, hatte der Wirt mich gebeten, erst nach 8 Uhr in die Stube zu kommen. Wahrscheinlich damit ich mir nichts vom Buffet stibitze. Es sind noch 2 ältere Frauen da, die auch noch eine Nacht bleiben. Alle anderen haben sich schon auf den Weg gemacht. Ich setze mich zu ihnen und wir unterhalten uns und spielen Mikado. Ab 10 Uhr soll das Wetter besser werden. Das hoffe ich doch sehr, ich muss nämlich unbedingt raus und mich bewegen. Nachdem ich gestern schon den ganzen Nachmittag herumsaß, bin ich heute ein bisschen ungeduldig rauszukommen. Auf einen ganzen Tag Pause habe ich gerade keine Lust.

Die beiden Frauen wollen auch auf die Hochkünzelspitze, allerdings nicht bei dem Wetter. In einer Regenpause beschließe ich dann einfach loszugehen. Entweder ich habe Glück und es klart auf, wenn ich oben bin oder ich drehe um, falls es zu rutschig ist.

Rein geht’s in den Nebel und die Wolken.

Ich gehe über die Wiese hinauf. Scheuche die Schafherde auf, die dann vor mir herläuft. Ich sage ihnen, dass sie auch einfach liegen bleiben können, aber sie hören nicht auf mich 😉

In vielen engen Kehren geht es dann steiler die Wiese hoch. Ein paar kurze Passagen sind mit einem Drahtseil gesichert, aber nichts schwieriges.

Und zwischendurch ist tatsächlich dann ein bisschen blauer Himmel zwischen den Wolken zu sehen. Dann habe ich ja oben vielleicht doch ein bisschen Aussicht.

Ein paar Meter geht es wieder hinab, kurz über diesen schmalen Grat und wieder hoch.

Das letzte Stück zum Gipfelkreuz führt über Felsen mit Seilsicherung hinauf. Und dann ist es geschafft. Ich stehe oben auf der Hochkünzelspitze auf 2397 Metern.

Ich bin hoch ziemlich schnell gegangen, mir war danach, mich auszupowern. Nichts mit gemütlicher Wanderung heute. Ich komme also außer Atem und nass geschwitzt oben an. Da es ziemlich windig ist, ziehe ich mir schnell erstmal alles mögliche über, damit ich nicht so sehr friere. Und dann wird gekocht und gegessen. Ich möchte schon noch ein bisschen hier oben bleiben, ich habe die Hoffnung auf ein bisschen Aussicht noch nicht aufgegeben.

Ich verbringe über eine Stunde hier oben und habe tatsächlich Glück. Zwischendurch kann ich ein bisschen was sehen. Nur leider nicht Richtung Norden, da sind zu viele Wolken. Ansonsten hatte ich gehofft, den Hohen Ifen zu sehen. Das hätte sich dann schon fast wie Zuhause angefühlt. Der Berg im Kleinwalsertal war einige Zeit mein Lieblingsberg.

Es kommen noch 2 Mädels hoch mit denen ich lange quatsche. Eine von ihnen ist auch schon einen Teil des Nordalpenwegs gewandert, ist aber in Bregenz gestartet. Dann geht es auf demselben Weg wieder hinab. Jetzt mit mehr Sicht als beim Aufstieg.

Ich treffe weiter unten auch auf die beiden Frauen aus der Hütte. Sie sind doch etwas nach mir losgegangen, haben sich aber nicht ganz hoch getraut, das war ihnen zu rutschig.

Wieder in der Hütte, stelle ich mich unter die eiskalte Dusche. Warmes Wasser gibt es hier nicht. Ich esse was und setze mich noch ein bisschen vor die Hütte. Heute kann man auch ins Tal schauen.


4,9 km

2:10 h

559 hm

526 hm

2400 m